Insektenschutzpaket erklärt für Jedermann

Wir als Fachgruppe LSV Insektenschutz & Biodiversität beschäftigen uns seit April 2020 intensiv mit dem Thema Insektenschutz. Wir möchten Ihnen in diesem Papier die Problematik des Insektenschutzes kurz verdeutlichen: Insekten haben für uns Landwirte eine große Bedeutung. Es gibt ungefähr 1 Million bekannter Arten auf der Erde, dieser am meisten verbreiteten Tiergruppe, in Deutschland gibt es 33.000 Arten. Dabei wird zwischen Nutz- und Schadinsekten unterschieden. Die Nutzinsekten produzieren Naturstoffe (z.B. Honig). Sie sind Blütenbestäuber oder erhöhen als Bodenbewohner die Bodenfruchtbarkeit.

Insekten sind Nahrung für andere Tiere oder sind Gegenspieler von Schadinsekten.

Schadinsekten verursachen Schäden durch Fraß an Kulturpflanzen (z. B. Kartoffel-, Borkenkäfer), an Lebensmittelvorräten (z. B. Schaben, Kornkäfer), an Textilien (z. B. Kleidermotten), an Holz (z. B. Hausbock, Borkenkäfer) und durch Übertragung der Erreger von Pflanzenkrankheiten sowie von Krankheiten des Menschen und der Tiere. Wir möchten im Folgenden die Problematik der Insektenschutzpaket erläutern:

Mehrfach wurde von Frau Schulze und anderen Politikern die Angst geschürt, dass die Bestäubung von Pflanzen gefährdet wäre. Wie ist der Sachstand dazu?
Wir haben in den letzten Monaten mit diversen Wissenschaftlern gesprochen. Dazu haben wir einen Fragenkatalog zusammengestellt, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Durch keinen einzigen dieser Wissenschaftler wurde die Bestäubung von Pflanzen durch die Insektenrückgänge als gefährdet eingestuft. Jeder der das behauptet oder den Eindruck erweckt, outet sich als Ideologe und Apokalyptiker!

Welche wissenschaftlichen Grundlagen sind Grundlage für das Insektenpaket?
Die sogenannten Krefelder Insektenstudie (Hallmann et. al.) war der Auslöser, der die Insektenrück- gänge in Schutzgebiete nachgewiesen hat. Hier wurden eindeutig keine Ursachen für die Rückgänge benannt. Bezüglich der Ursachenforschung und des Einflusses der Landwirtschaft auf Schutzgebiete, wurde im Anschluss das DINA Projekt ins Leben gerufen. Hier werden die allerersten Ergebnisse Ende 2021 erwartet. Wirklich Belastbares nicht vor Ende 2022.

Wie ist durch das Insektenschutzpaket der Erfolg für die Insektenwelt zu bewerten?
Im Prinzip ist es eine Frechheit, dieses Gesetzespaket unter dem Deckmantel des Insektenschutzes zu verkaufen. Sehr große Verursacher zu den Insektenrückgängen wurden nicht sanktioniert oder bewertet. Die Einschränkungen von Lichtverschmutzung betreffen fast ausschließlich die Naturschutzgebiete. Flächenverbrauch und Versiegelung wurden gar nicht erst angegangen. Der Einfluss von Wetter, Klimaveränderungen und Strahlungen wurden weder benannt noch in Erwägung gezogen. Auch der „wissenschaftliche Beirat für Biodiversität des BMEL“ sieht einen wesentlichen Forschungsbedarf, in Bezug auf den Klimawandel als Verursacher von Rückgängen (Wätzold 2020). Die massiven Auswirkungen fast aller weiteren Verursacher werden mit diesem Gesetzpaket einfach den Landwirten als Kollektivschuldner mitunterstellt!

Ohne diese gesicherte Grundlagen- und Ursachenforschung wird mit dem Paket auf landwirtschaftliche Nutzfläche zurückgegriffen und die Reduzierung des synthtischen Pflanzenschutzes als sinnvolle Maßnahme gesehen.

Warum sind die Landwirte so massiv gegen dieses Paket?
Die Landwirte sind nicht gegen Insekten oder Insektenschutz. Auch wenn gerne dieser Eindruck erweckt werden soll. Lichte Eichenwälder und Restbestände der Birken-Kieferwälder waren die vorherrschende Waldzusammensetzung, als der Mensch langsam sesshaft wurde. Die in Mitteleuropa bekannte Artenvielfalt hat Ihren Ursprung in der Kulturlandschaft, das heißt in der Bewirtschaftung durch den Menschen. FFH Gebiete wurden deswegen ausgewiesen und attraktiv für die zu schützenden Arten, weil sie so einzigartig sind und nicht, weil man sie verändern muss!
Außerdem wurden bei jeder FFH Gebiets-Ausweisung alle Bedenken mit dem Argument weggewischt, dass eine Landwirtschaft nach „guter fachlicher Praxis“ zukünftig immer möglich bleibt. Auch in Naturschutzgebieten geht dieser Vertrauensschutz zwischen Landwirten und Politik massiv verloren. Seit Jahrzehnten werden zum Beispiel am Bodensee oder im Rheintal Obst Gemüse und Wein erfolgreich und divers angebaut. Hier drohen durch einen Schutzstatus unabhängig vom Vertrauensverlust massive Ein- kommensverluste durch Einschränkungen. Die betroffenen Betriebe verlieren erhebliche Marktanteile und können ihre Kontrakte nicht mehr erfüllen. Außerdem muss klargestellt sein, dass es sich bei jedem Zugriff auf Flächen, um EIGENTUMSFLÄCHEN der Landwirte handelt. Und jede Einschränkung kostet Geld! Sowohl durch die eingeschränkte bzw. unmögliche Bewirtschaftung als auch durch die Wertverminderung. Bestehende Sicherungen von Stallbauten oder anderen landwirtschaftlichen Gebäuden sind nicht mehr gewährleistet.
Warum ist ein Unterschutzstellen von artenreichem Grünland, Streuobstbeständen und Steinriegel kritisch zu sehen?
Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahren sehr deutlich gelernt, dass derjenige, der freiwillig etwas Gutes macht, oft dafür bestraft wird. Wer aus freien Stücken eine Obstbaumwiese angelegt hat, wird nun dauerhaft in der Bewirtschaftung eingeschränkt. Es ist vollkommen unabsehbar, welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Auch wenn es eventuell Ausnahmen für gewerblich genutzte Anlage geben soll. Anhand der politischen Zusagen bei den FFH Gebieten, sehen Sie, welchen Wert solche Ausnahmen in Zukunft haben werden.

Wo liegt die Problematik bei den Abständen zu Gewässern?
Zum einen werden hier mindestens 140.000 ha aus der Bewirtschaftung genommen, obwohl durch die Zulassung von PSM schon wissenschaftlich fundierte Abstände geregelt sind.
Außerdem wird nicht auf die örtlichen Gegebenheiten eingegangen. Wo möglich sind breite und bepflanzte Uferstreifen vorhanden; eine Eutrophierung von PSM wäre vollkommen ausgeschlossen. Trotzdem müssen weitere fünf Meter aus der Bewirtschaftung genommen werden. Die alleinige Aussage, dass eine nicht bewirtschaftete Fläche mehr Insekten ein Zuhause bietet als eine bewirtschaftete, berechtigt nicht zu so massiven Einschränkungen. Als Konsequenz daraus wäre jede Art von Ackerbau obsolet.

Warum ist den Landwirten der Pflanzenschutz so wichtig?
Alle Nutzpflanzen werden seit Jahrhunderten bzw. seit Jahrtausenden gezüchtet. Dadurch werden sie nicht nur leistungsfähiger und ertragreicher, sondern auch bekömmlicher! Unsere heutigen Kulturpflanzen sind also nicht evolutionär gewachsen, sondern das Resultat aus Zucht- und Auswahlverfahren. Natürliche Abwehrmechanismen wurden herausgezüchtet, um sie für die humane Ernährung bekömmlich zu machen, was sie aber eben auch anfällig machen für Krankheiten und Schadinsekten. Hier kommt dem chemischen Pflanzenschutz als Teil des integrierten Pflanzenschutzes eine besondere Bedeutung zu.

Seine Aufgabe ist es, die Erträge und Qualitäten zu sichern und nicht wie häufig angenommen die Erträge zu steigern.

Aufgaben des integrierten Pflanzenschutz


Er hilft der Kulturpflanze sich auf der Fläche zu behaupten, er schützt vor bakteriellen, pilzlichen und virulenten Krankheiten und vor Schädlingsbefall. Das Resultat ist ein unbeschädigtes und unbelastetes Erntegut. Zudem ist es nachgewiesen, das gesunde Pflanzen eine bessere Wasser-, Nährstoff- und Energieeffizienz aufweisen und eine geringere Mykotoxinbelastung.

Insektizide:
Alle Landwirte wissen, dass die Landwirtschaft immer auf eine intakte Insektenwelt angewiesen ist: raubende Insekten fressen Schädlinge, Insekten sind mit verantwortlich für die Gewässerreinigung und für das Bodenleben und natürlich nicht zuletzt für die Bestäubung. Dennoch kann es durch Insektenfraß zu beträchtlichen Schäden kommen. Läuse beim Getreide, Borkenkäfer bei der Fichte, Kohlweißlinge, Rapsglanzkäfer, Kartoffelkäfer und einige andere können zu Totalschäden in den Beständen führen. Um die Notwendigkeit einer Behandlung abzuwägen, wird ein sogenanntes Schadschwellenprinzip angewandt. Eine Absicherung muss möglich bleiben, um überhaupt einen diversen Anbau gewährleisten zu können.

Herbizide:
Im ökologischen und konventionellen Anbau werden die Kulturpflanzen in Reinkultur angebaut. Ziel auf der Fläche ist es, dass sich die Hauptkultur gegenüber der Konkurrenz durchsetzt und dass am Ende die Kulturpflanze geerntet werden kann. Außerdem muss das extreme Vermehrungspotential der Beikräuter unterbrochen werden. Dem konventionellen Anbau stehen zur Bekämpfung der Beikräuter verschiedene Herbizide zur Verfügung. Ohne diese Herbizide müssen die Beikräuter mechanisch, wie im ökologischen Anbau beseitigt werden. Die Bodenbewegung durch Pflug, Striegel und Hacke führen zur Zerstörung des Bodenlebens, erhöhten CO2 Emissionen durch Humusabbau, einer erhöhten Erosions- gefahr und ist eine Gefahr für Bodenbrüter, Amphibien, Eidechsen und Niederwild. Des Weiteren werden beim ökologischen Anbau nur etwa 40% bis 60% der Menge im Vergleich zum konventionellen Anbau geerntet, daher weist der ökologische Anbau einen höheren Biodiversitätsverlust pro Einheit Erntegut gegenüber dem konventionellen Anbau auf!
Häufig wird behauptet, die sichere Versorgung mit heimischen Nahrungsmitteln, würden durch solche Gesetze und Verordnungen nicht gefährdet. Wie stellt sich die Sachlage dar?

  • Durch die geplanten Einschränkungen besteht die Gefahr das circa 750.000 ha Nutzfläche nicht mehr mit Herbiziden und Insektiziden ausreichend geschützt werden können.
  • Über 100.000 ha Obstflächen, welche durch die Bewirtschaftung so wertvoll geworden sind, werden nun unter Biotopschutz gestellt.
  • Bei 5m breiten Grünstreifen entlang von Gewässern ohne Nutzung fallen ca. 142.000 ha vollständig aus der Produktion.
    Bei einem derzeitigen Selbstversorgungsgrad von ca 85% und dem Wegfall von über 6% Nutzfläche (1 Mio. ha) wird sich die Situation nicht verbessern! Besonders dramatisch zeigt sich die Situation bei der Versorgung mit Obst und Gemüse. Hier werden nur 30 Prozent in der Heimat produziert und der Anteil, der zukünftig importiert werden muss, wird sich weiter erhöhen.

Was gehen uns die Probleme der Länder an, wo die Lebensmittel produziert werden.

Zitat einer bekannten Politikerin auf der Mahnwache in Berlin im Februar 2021

Wo liegt die Problematik im Zusammenhang mit den Ländervereinbarungen, wie zum Beispiel dem „Niedersächsischem Weg“?
In Niedersachsen wurde unter dem Namen „Niedersächsische Weg“ eine Vereinbarung mit entspre- chenden Gesetzesänderungen im Konsens mit den Umweltverbänden, der Politik und den Landwirtschaftsverbänden getroffen. Kernelemente der Vereinbarung sind der finanzielle Ausgleich für zusätzliche Auflagen und der Vertragsnaturschutz. Wichtiges Kriterium für einen Erfolg, ist die ständige Evaluierung der Maßnahmen. Nur so ist in Zukunft gesichert, dass die Bemühungen und auch Einschränkungen seitens der Landwirtschaft auch den Insektenrückgang stoppen können. All dies finden wir in dem Insektenschutzpaket nicht, schlimmer noch, mit den jetzigen Veränderungen im Bundesnaturschutzgesetz und in der Pflanzenschutzmittel Durchführungsverordnung werden die Ländervereinbarungen kontrakariert und die rechtlichen Grundlagen entzogen. Eine vereinbarte Förderung wäre nicht mehr möglich. Kooperative Elemente werden durch Ordnungsrecht ersetzt!


Was wären bessere Alternativen für den Insektenschutz?
Allem voran steht eine umfassende Ursachenforschung. Erst auf Grundlagen dieser Daten können effektive Maßnahmen entwickelt werden. Diese Maßnahmen müssen durchgeführt werden und im Anschluss evaluiert werden und an ihrem Erfolg gemessen werden. Die Landwirtschaft kann Flächen als Dienstleistung für gezielte Maßnahmen zur Verfügung stellen, dabei darf aber ihre eigentliche Aufgabe, die Herstellung von gesunden Nahrungs- und Futtermitteln nicht vergessen werden. Daraus folgt, es darf keine flächendeckende Extensivierung geben, sondern eine Trennung erfolgen von Flächen, die dem landwirtschaftlichen Zweck dienen und Flächen, die im Rahmen eines Biotopverbundes dem Artenschutz dienen.
Um den Insektenschutz voranzubringen, ist es zum einen notwendig, dass möglichst viele verschiedene Pflanzen wachsen, welche auch zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Kleine aber mehrjährige Teilflächen, welche gezielt bewirtschaftet werden, haben einen wesentlich größeren Erfolg, als ein Verbot von Herbiziden! Des Weiteren fehlt es den Insekten häufig an offenen und schnell erwärmbaren Bodenflächen. Diese müssen aktiv geschaffen und offengehalten werden. Um Beide Ansätze zu erreichen, wäre zum Beispiel die Anlage von Insektenwällen ideal. Diese lassen sich jedoch nur mit gezielten Anreizen realisieren und nicht mit einer Verbotspolitik!
Zusammenfassend muss man sagen, dass dieses Gesetzpaket nicht dem Insektenschutz dient oder dienen kann. Dieses wird besonders auch dadurch gezeigt, dass keinerlei Klausel enthalten ist, wie mit den vorgeschriebenen Einschränkungen im Insektenschutzpaket umzugehen ist, wenn sich die Situation in der Insektenwelt verbessert. (Kein Verbesserungsgebot wie in der Düngeverordnung). Selbst ein Nachweis von Verbesserungen über Eigeninitiativen wäre nicht möglich, da Insektenfallen auch genehmigungspflichtig werden!
Dieses Paket dient aus unserer Sicht einzig und allein dazu landwirtschaftliche Nutzflächen zu entwerten, um diese dann unter Umständen auch günstig dem Naturschutz zuführen zu können.

LsV Fachgruppe Insektenschutz & Biodiversität

Frank Kisfeld

insektenschutz@landschafftverbindung.de

#insektenschutz #faktenstattideologie

Mahnwache in München

Demo und Mahnwache ab dem 6. Februar 2021 in München vor der Staatskanzlei

Das BMU stellt mit dem Entwurf zum Insektenschutzpaket die deutsche Ernährungssicherung in Frage!

Am Mittwoch, dem 10.2.2021, soll im Bundeskabinett das sogenannte Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen werden. Hierbei geht es um Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz und in der Pflanzenschutzmittel Anwendungsverordnung.

Das Aktionsprogramm „Insektenschutz“ war 2019 einer der Hauptgründe, warum die Landwirtinnen und Landwirte in ganz Deutschland auf die Straße gegangen sind. Jeder, der sich mit dem Thema Insektensterben auseinander-setzt, weiß, dass die Rückgänge der Insektenpopulation auf sehr viele Faktoren zurückzuführen sind. Neben der Landwirtschaft haben die Einflussfaktoren Lichtverschmutzung, Flächenversiegelung, Klimaveränderungen oder auch Strahlungen aus unterschiedlichen Quellen (z. B. Handystrahlung) erheblichen Einfluss auf die Population der Insekten.

In diesen Gesetzesänderungen entstehen jedoch Flächenentwertungen und starke Einschnitte nur auf Seiten der Landwirtschaft; wirkliche Konsequenzen ergeben sich bei den weiteren Verursachern für Insektenrückgänge nicht.

Für die Landwirtschaft sind gewaltige Einschnitte geplant. Durch Verbote von Insektiziden und Herbiziden in FFH- Gebieten, durch Abstände zu Gewässern, welche aus keiner wissenschaftlichen Grundlage heraus begründet sind, durch Unterschutzstellung von bestimmten, sogar gewerblich genutzten Obstbaumbeständen und Grünlandbeständen, sollen mindestens 1.320.000 ha (8%!) wertvolle Nutzfläche in Deutschland zur Nutzung und zur Ernährungssicherung verloren gehen – ohne irgendeinen finanziellen Ausgleich, den Schaden trägt der Landwirt wieder allein!

Ab Samstag den 06.02 um 10 Uhr bis Mittwoch 10.02
Pilotystraße vor der Staatskanzlei in München


Man darf nicht vergessen, dass die deutsche Landwirtschaft bereits 10 Prozent der Nutzfläche für den Natur- und Artenschutz zur Verfügung stellt, in Form von Agrarumweltmaßnahmen, Vertragsnaturschutz und ökologischer Vorrangfläche! Vorzeigebeispiele für ein erfolgreiches Miteinander!

Dagegen werden alle Gespräche, welche von Seiten der Landwirtschaft mit der Politik geführt wurden, durch diese Änderungen in Frage gestellt. Man muss damit die ganze Landwirtschaft und die Nahrungsmittelversorgung in Deutschland in Frage stellen, sollte das Paket so verabschiedet werden.

Wir lehnen das Aktionsprogramm „Insektenschutz“ ab und fordern einen Maßnahmenkatalog im Konsens mit der Landwirtschaft. Dass dieses funktioniert, hat zum Beispiel das Land Niedersachsen mit dem „Niedersächsischen Weg“ gezeigt. Diese Lösung wird mit den geplanten Änderungen im Übrigen vollkommen untergraben.

In den letzten Monaten haben wir den Verantwortlichen sehr viele konstruktive Vorschläge vorgelegt und damit signalisiert, dass wir nicht gegen Insektenschutz sind.
Auch Bayern bietet eine hervorragende Lösung durch Kulap und Vertragsnaturschutzprogrammen für den Insektenschutz. Jährlich nutzen tausende Bauern so diese Möglichkeiten, individuell Maßnahmen zu ergreifen, die zu ihrem Betrieb und somit auch zu ihrem regionalen Umfeld passen!


Anfang der Woche wollen die beteiligten Verbände dem Ministerpräsidenten ein gemeinsames Schreiben übergeben.

Insektenschutz kann nur zusammen mit der Landwirtschaft funktionieren, mit fairen Anreizen und nicht durch unsachliche Verbote!

LSV-Bayern




Ihr Landwirtschaft verbindet Bayern e.V.

Wir sehen alle Rot!

Warum sind wir von Oktober 2019 an auf die Straße gegangen?

Fahrt nach Berlin November 2019

Nicht um gegen eine Düngeverordnung zu protestieren, wie es von den Medien immer wieder so dargestellt wurde. Nein, denn die gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange! Wir wollten bei der Neuauflage der Düngeverordnung 2020 fachlich erforderliche Änderungen und Ergänzungen durchsetzen.

Aus welchen Gründen auch immer war die Politik nicht bereit, diese in die Neuauflage mit einzuarbeiten, es macht den Anschein als wäre es bei der neuen DÜV nur darum gegangen, das EU- Verfahren damit abwenden zu können.

Durch die deutliche Verschärfung der DÜV war es unumgänglich, eine Binnendifferenzierung bei der Ausweisung von den mit Nitrat belasteten Gebieten (Rote Gebiete) zu fordern, um die in den bisherigen roten Grundwasserkörpern angewandte Kollektivbestrafung zu vermeiden.

Daraufhin wurde auf Bundesebene eine Allgemeine Verwaltungsverordnung verfasst und beschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es für Deutschland keine einheitlichen Regelungen für die Ausweisung Roter Gebiete. Das war der erste große Erfolg unserer landesweiten Demonstrationen. Die Politik musste einsehen, dass es kein „Weiter so“ mehr gibt. Zu einer sogenannten Verbändeanhörung wurden ca. 29 Verbände, darunter auch wir als LSV Bayern, eingeladen.

Mit dem Beschluss der AVV wurden die Länder verpflichtet, diese bis spätesten 01.01.21 in eine Landesverordnung umzusetzen. Die neue AV DÜV trat schließlich am 01.01.21 in Kraft.

Auf unserer Homepage www.landwirtschaftverbindetbayern.de könnt ihr unsere eingereichten Vorschläge nachlesen und euch selber ein Bild machen.

Wieder konnten wir, die Bauern, einen Erfolg verbuchen, eine Halbierung der Roten Gebiete in Bayern wurde damit erreicht.

Trotzdem müssen wir uns weiterhin solidarisch zeigen, denn die Ausführungsverordnung der DÜV beinhaltet immer noch viele Ungerechtigkeiten für uns Landwirte, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Unterschiedliche und oft unklare Einteilung in Rote/Gelbe/Grüne Gebiete innerhalb eines Grundwasserkörpers, d.h. benachbarte Flächen sind oft unterschiedlich gefärbt. Insbesondere gewässernahe Flächen sind oftmals grün. Wo ist da der Sinn?!
  • Intransparente und verursacherungerechte Berechnungen zur Ausweisung der Roten/Gelben/Grünen Gebiete. So werden beispielsweise die aus der Tierhaltung des jeweiligen landwirtschaftlichen Betriebes anfallenden Nährstoffmengen auf den jeweiligen Betriebsflächen verteilt, während nicht direkt zuordenbare Nährstoffmengen aus Gewerbebetrieben (z. B. gewerbliche Tierhaltung oder gewerbliche Biogasanlagen) auf die Gemarkungs-/Gemeindeflächen verursacherunabhängig verteilt werden. Anfallende Nährstoffmengen aus Klärschlamm und Kompost werden unabhängig vom Ausbringer auf allen bayerischen Flächen  verteilt!
  • Schlagbezogene 170 kg N-Berechnung in Roten Gebieten: Einerseits ein extrem bürokratischer Aufwand, da jede Fläche einzeln berechnet werden muss. Andererseits wird abweichend von der betrieblichen 170er-Berechnung mit dem Bezugszeitraum Kalenderjahr, bei der schlagbezogenen Berechnung vom Düngejahr ausgegangen, sprich ab Ernte der Vorfrucht. Insbesondere Betriebe mit Zweitfrüchten oder Zwischenfrüchten mit Futternutzung, die ja als Alternative zum Maisanbau immer propagiert werden, werden dadurch massiv benachteiligt, da eine bedarfsdeckende Nährstoffversorgung mit Wirtschaftsdüngern (im Gegensatz zu Mineraldüngern!) nicht mehr möglich ist.
  • Massive Einschränkung der Wirtschaftsdüngerausbringung in allen Gebieten durch die veränderte Verlustanrechnung von Wirtschaftsdüngern (keine Ausbringverluste mehr, höhere Mindestwirksamkeit). Dadurch wird von den Landwirten in der Praxis eine Nähstoffausnutzung (=Mineraldüngeräquivalent) gefordert, wie sie selbst in den Versuchen der Landesanstalt für Landwirtschaft unter wissenschaftlichen optimal Bedingungen (beste Böden/Lagen, optimalste Ausbringtermine, optimierte Wirtschaftsdünger, optimierte Fruchtfolge…) kaum erreicht werden können.
  • Vorgeschriebene Verwendung der eigenen Erträge aus den letzten fünf Jahren für die Düngebedarfsermittlung. Durch Reduzierung der Düngung (siehe vorhergehenden Punkt bzw. 20% Reduzierung in Roten Gebieten) sinken unweigerlich die eigenen Erträge, somit reduziert sich wiederum die zukünftige Düngung und daraus wiederum die zukünftigen Erträge (negative Ertragsspirale).
  • Festmist-/Kompostausbringung im Roten Gebiet ist weitgehend unmöglich. Festmist/Kompost darf im Roten Gebiet nur noch zu Zweitfrüchten und eingeschränkt zu Zwischenfrüchten ausgebracht werden, aber nicht mehr zu Raps oder Wintergerste oder anderen Winterungen. Insbesondere die von der Politik geforderten Öko-/Tierwohlställe mit Einstreu (Tretmist, Kompostställe…) werden so aufgrund des enormen Lagerraumbedarfs massiv erschwert!
  • Einschränkungen der Ausbringung auf Grünland in Roten Gebieten gelten nur dort, wo mehr als 20% der Roten Fläche Grünland sind. Wo ist da der fachliche Sinn, wenn insbesondere in Grünlandgebieten, wo sowieso nur eine geringe Nitratauswaschung zu befürchten ist, Auflagen einzuhalten sind, in Ackerbaugebieten dagegen nicht?
  • Die geforderten Maßnahmen/Berechnungen bzw. Dokumentationen widersprechen sich teilweise.

->So passt die geforderte Jahressumme der Düngedokumentation aufgrund unterschiedlicher Berechnungsweisen meist nicht zur Jahressumme der Düngeplanung und ist somit für Kontrollen unbrauchbar. Was soll also dieser Aufwand bringen?

->Betriebe in Roten Gebieten sind zur Analyse der Wirtschaftsdünger und zur anschließenden Verwendung der Ergebnisse verpflichtet. Wenn diese aber aufgrund von Analysefehlern/-ungenauigkeiten von dem ermittelten „Sollwert“ im Lagerraum-/Gärrestrechner abweichen, ist eine fehlerhafte Planung/Bilanz unausweichlich. Selbst wenn dem Landwirt klar ist, dass die Analysewerte nicht stimmen können und selbst wenn der Fehler von einem Dritten (sprich Labor) verursacht ist, muss er die Analysewerte bis zum bitteren Ende, sprich Überschreitung der Bilanzsalden mit entsprechenden Sanktionen, verwenden. Hier werden die Landwirte von den Verordnungen und Vorschriften geradezu kriminalisiert!

Ziel von Düngeverordnung und AVDüV sollte eigentlich die gleichmäßigere Verteilung von Wirtschaftsdüngern auf der Fläche sein. Genau das Gegenteil wird unweigerlich passieren.

Rainer Seidl, 1. Vorstand Lsv-bayern

->Einschränkung der Herbstausbringung bedeutet höhere Mengen im Frühjahr auf teilweise weniger verfügbaren Ausbringflächen. Der verfügbare Zeitraum sinkt von ca. 7/8 Monate auf etwa 3 Monate.

->Die eingeschränkte Ausbringzeit (keine oder reduzierte Herbstausbringung, Beschränkung der Frühjahrsdüngung) wird auch eine Erhöhung der Schlagkraft nicht annähernd auffangen können, vor allem bei ungünstiger Frühjahrswitterung. Unweigerlich werden daher betriebsnahe Flächen zur Erhöhung der Schlagkraft mehr Wirtschaftsdünger bekommen.

->Betriebe unter 15ha ohne Viehhaltung sind von vielen Auflagen (Düngeplanung, Dokumentation, Nmin-Untersuchung…) befreit, solange sie keine Wirtschaftsdünger aufnehmen. Dies wir die Aufnahmebereitschaft massiv einschränken und somit eine sinnvolle Verteilung des Düngers verhindern.

->Benachteiligung von Zweitfruchtsystemen durch die einzelschlagebezogenen 170kg N-Regelung.

->Einschränkung der Fruchtfolge durch Bevorzugung von Früchten mit möglichst hoher Verwertung der ausgebrachten Wirtschaftsdünger (Mais hat beispielsweise deutlich bessere Verwertung als Getreide!)

->Bei Inanspruchnahme der Ausnahmeregelung 160/80 muss Gülle verstärkt in Grünen Gebiete ausgebracht werden.

Alle die genannten Punkte werden dazu führen, dass eine gleichmäßige Verteilung der Wirtschaftsdünger gerade nicht erfolgen kann! Fachlich betrachtet, kann das eigentlich nicht der Sinn sein?

Der Aufwand zur Erfüllung der Vorgaben (Düngeplanung, Dokumentation, Analysen usw.) ist in kleinen Betrieben überproportional hoch und wird insbesondere die von der Politik hochgelobten bäuerlichen Betriebe zur Betriebsaufgabe bewegen.

Landwirtschaft verbindet Bayern e.v.

Wie Ihr aus dem oberen zeitlichen Abriss und aus den aufgeführten Beispielen entnehmen könnt, stehen wir noch vor einem riesigen Berg von Aufgaben, denen wir uns stellen müssen. Die erzielten Erfolge sollten unsere Motivation sein um weiter an der Sache zu arbeiten. Ein fachlich geführter Dialog, in den dafür zuständigen Sachgebieten der Ministerien, sollte dazu die Grundlage bilden.

Und trotzdem  werden wir unsere Geschlossenheit und unseren Willen, für die Erhaltung der bäuerlichen Landwirtschaft und der regionalen  Lebensmittelversorgung, in der Öffentlichkeit zeigen müssen.

Jeder einzelne Landwirt ist wichtig, beteiligt euch bei den Interessengemeinschaften, denn diese bilden ein wichtiges Instrument um eine gerechtere Behandlung der betroffenen Betriebe zu erreichen. Vor allem um nicht zuletzt dem gefordertem Ziel, eine hohe Qualität unsers Trinkwassers nachhaltig dadurch zu schützen.
Unterstützt uns bei unserer Öffentlichkeitsarbeit, geht auf eure Mitmenschen zu und werdet Fördermitglied bei uns. Denn es ist wichtiger dennje, dass die Landwirtschaft aufklärt und unsere Mitmenschen wieder mitnimmt.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Seidl 1.Vorstand

Landwirtschaft  verbindet Bayern e.V.

Forever young!

Forever young, die Sorge um den Regenwald

Die Bilder von brennendem Regenwald lösen seit jeher Emotionen aus, auch und vor allem bei uns Bauern, denn wir sind vom Klima abhängig.

Bereits die Generation 50+ lernte in der Schule, wie wichtig der Regenwald für unser Weltklima ist.

Eine neue Studie vom WWF zeigt wieder Bilder von diesen zukunftszerstörenden Bränden.
Häufig wird den Bauern zur Last gelegt, dass durch das verfüttern des Sojanebenproduktes Sojaextraktionsschrot, der Regenwald brennt.

Dieser Verantwortung wollen wir Bauern uns stellen, schaffen das aber nicht allein.

Bildbeispiel vom WWF, © by Mauri Rautkari/ WWF

Das jetzige Agrarpolitische System, das auf weltweite Marktöffnungen setzt und damit weltweite Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft fordert und mit den Ausgleichszahlungen fördert, ist ein Fakt, an dem der einzelne Bauer nicht vorbei kann.

In Deutschland fehlen schon jetzt etwa 3,5 Mio ha Fläche um uns komplett selbst versorgen zu können. Wenn die Agrarpolitische Sprecherin der bayerischen Grünen Frau Sengl nun die Meinung vertritt, das Ihr ein Bioweizen, der in Italien wächst, lieber ist, als ein nach unseren hohen konventionellen  Standards regional erzeugter bayerischer Weizen, macht das sehr nachdenklich. Es zeigt doch direkt, wohin die Reise geht. Erträge und Ernten die in Bayern und Deutschland nicht eingefahren werden können, benötigt mehr Fläche irgendwo am anderen Ende der Welt. Eine Erzeugung in Italien mag da noch nicht besonders erschrecken. Aber unsere deutsche Selbstversorgung verschiebt sich, bis hin in den Regenwald, das ist Fakt und sollte jedem klar zu denken geben.

„Ich möchte lieber biologischen Weizen aus Italien als konventionelles Getreide aus dem Nachbardorf“,

Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der bayerischen Grünen

Sicher sind wir Bauern mitverantwortlich. Am Ende landet das Nebenprodukt Sojaschrot im Trog, aber auch Rindfleisch, erzeugt auf Flächen des abgebrannten Regenwaldes landet auf den Tellern unserer Gesellschaft.

Muss man den Bauern das zum Vorwurf machen, das es so ist wie es ist? Kann man den Bauern nicht glauben, dass die Bauern gern auf Sojaschrot aus dem Regenwald verzichten würden? Die Fläche in Deutschland würde nicht ausreichen uns selbst zu versorgen und täglich wird die Fläche, die Bauern zur Verfügung steht kleiner und kleiner.

Wir Bauern müssten in der komfortabelsten Situation am Markt sein, die man sich vorstellen kann, wenn die Selbstversorgung im Land von der landwirtschaftlichen Nutzfläche her nicht gewährleistet ist.

Aber die Profiteure des jetzigen Systems sind nicht wir Bauern.

Landwirtschaft verbindet Bayern e.V. hat mit dem Vorschlag zur Ausarbeitung eines Jahrhundertvertrages die Initiative ergriffen um die Sorge um den Regenwald nicht „forever young“ zu halten, sondern endlich etwas aktiv zu „machen“. Wir haben eine Ausarbeitung des JHV bereits unter anderem an die Politik versandt, jedoch sind wir dort auf wenig Gehör gestoßen, anscheinend interessiert es kaum wenn es auf einem anderen Kontinent wegen uns brennt.

Wegen uns, den Bauern, muss der Regenwald nicht brennen.

Den Teller leer essen macht schönes Wetter. Den heimischen Teller leer essen macht gutes Klima.

Die Gier nach Marktanteilen?

Der Dezember 2020 war turbulent und mit vielen unangenehmen Konfrontationen versehen. Viele Bauern fuhren mit ihren Traktoren vor den Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) auf um für bessere Preise zu demonstrieren, da die Landwirte und ihre Betriebe mit dem Rücken zur Wand stehen.

Vorschriften, Auflagen, jedes Jahr höhere Belastungen und seit Jahrzehnten gleichbleibende Erzeugerpreise machen ihnen seit Jahren das Leben schwer, da die Mehrbelastung immer der Landwirt selbst tragen muss. Die geplanten Preissenkungen zum Weihnachtsgeschäft und die angekündigte Butterpreissenkung um über 50 Cent für Anfang Januar, brachten das Fass nun zum überlaufen.

Hunderte Bauern aus Niedersachsen und später auch aus Bayern und anderen Bundesländer, blockierten daraufhin die Zufahrten von verschiedenen Zentrallagern quer durch die Bundesrepublik. Es wurde so lange blockiert, bis man ein Gesprächsangebot mit der Konzernführung der großen 4 Einzelhändler hatte. Warme Worte wurden von allen Lidl, Aldi, Rewe und Edeka gegenüber den Bauern ausgesprochen, ein Wille zur Veränderung war erkennbar und Unterstützung wurde zugesagt!

Auch zu der geplanten Preissenkung bei Butter wurde ein beschwichtigender Ton angeschlagen um die Landwirte zu beruhigen.


Jedoch sind bestimmten Lebensmitteleinzelhändlern anscheinend Marktanteile und Geld viel wichtiger als die Zusagen gegenüber ihren Lieferanten und deren Familien. Anders als in der Landwirtschaft gilt anscheinend bei den „Ehrbaren Kaufleuten“ unter den Big 4 kein gesprochenes Wort mehr länger als ein paar Tage. Denn sie könnten ja wichtige Hundertstel am Markt verlieren, wenn sie nicht billiger als die Konkurrenz sind.
Anscheinend geht man mittlerweile sinnbildlich über Leichen, denn somit nimmt der Handel den Tod von tausenden Betrieben weiterhin billigend in Kauf!

Während in Deutschland der Preis für Butter somit herabgesetzt wird, steigt der Weltmarktpreis gleichzeitig um etwa 7% gegenüber Mitte Dezember 2020, somit stieg der Butterpreis an der Global Dairy Trade (GDT) seit September 2020 etwa um 38% an.
Wie soll die Landwirtschaft es schaffen, sich nach den gesellschaftlichen Wünschen zu verändern, wenn einfach keine kostendeckende Produktionspreise vorhanden sind?

Gleichzeitig ist es dem Handel aber anscheinend völlig egal, was er da über den Ladentisch verramscht, wie man mittlerweile bei hunderten Rückrufen von Waren aus dem Ausland sieht. Im Ausland werden nämlich viele u.a. Chemikalien eingesetzt die bei uns bereits vor Jahrzehnten verboten wurden. (Quelle)

Alles im Butter beim Handel? Im Gegenteil.

Deutscher Tierschutzbund e.v.

Das Sterben der Landwirtschaft in Deutschland begann vor vielen Jahrzehnten, als man begonnen hat anhängige Industrien der Landwirtschaft nach Fernost zu verlagern. Heute wundern wir uns, dass wir nicht mehr in der Lage sind gewisse Dinge in kurzer Zeit mit kleinem CO2 Abdruck zu fertigen.

Wird der Handel weiter so agieren und damit vielen Millionen Menschen die Lebensgrundlage aka Arbeit entziehen?

Fairtrade Bananen zum Beispiel sind schön und gut, denn dann wissen wir, dass die Bananenbauern in einem fernen Land gut behandelt und bezahlt werden, aber der Ausbeutungsmissbrauch der heimischen Landwirte geht weiter.

Die Ambivalenz ist hammerhart und eine Watschn für jeden der sich für heimische Produkte und Fairtrade im eigenen Land einsetzt.
Versprechen sind beim Einzelhandel Schall und Rauch, nach dem Motto: Solange es meinen Geldbeutel füllt, was interessiert mich da mein Geschwätz von Gestern.

Wo sind denn ALDI Landwirte hin? Die singen gerade ein Lidl dass sie keinen Penny mehr haben und eigentlich mehr Netto brauchen. Das bleibt aber ein Traum der wird nie Real. Leider, dafür kann der Verbraucher sagen „War halt damit ich MiniMal nen Eurospar

Aus dem Kommentarbereich der Wipperfürth FB-Seite

Die Konsequenz für uns ist:

  • Wir kämpfen weiter für faire Handelsbedingungen.
  • Wir kämpfen weiter für gerechte Bezahlung.
  • Wir kämpfen weiter für Kostendeckende Preise .
  • Wir kämpfen weiter für Wertschätzung und Respekt.
  • Wir kämpfen weiter für unsere Familien.
  • Wir kämpfen weiter für ein lebenswertes Leben ohne einen 320 Stunden Arbeitsmonat.

Wir wollen ein geregeltes, gerechtes Einkommen, welches uns auch ein persönliches, familiäres Leben außerhalb der Arbeit ermöglicht.

Selbstversorgungsüberschreitungstag

Es gibt viele besondere und auch kuriose Tage wie z.B. den internationalen Anti-Diät Tag (6.Mai) oder den Weltknotentag (18.September). Doch gibt es vor allem Tage, die sollte man sich schon fast Rot im Kalender anstreichen, denn sie haben eine hohe Aussagekraft in der heutigen Zeit. Bei ihnen geht es um die Selbstversorgung im eigenen Land!

Dass es überhaupt einen solchen Tag gibt, die per Saldo nachweisen, dass wir Landwirte bis zum Jahresende rechnerisch nicht mehr in der Lage sind die Bevölkerung zu ernähren, sollte zum Nachdenken anregen.
In der Veröffentlichung des Bauernverbands aus Schleswig-Holstein werden die verschiedenen Selbstversorgungsüberschreitungstage für die verschiedenen Produkte der Landwirtschaft terminiert. (Ausgehend vom Jahresbeginn 01. Januar)

  • Bei Milch ist die Versorgung bis 31.12. gesichert.
  • Obst reicht bis 20. Februar
  • bei Gemüse z. B. ist am 6. Mai das heimische Regal leer
  • Eier sind bis zum 18. September noch vorhanden usw.

In Deutschland stehen etwa 16,5 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung. Der Verbrauch an Nahrungsmitteln im Land bedürfte aber eine Fläche von ungefähr 19 Mio. ha. Da wir uns rechnerisch eigentlich nur noch zu etwa 87% selbst versorgen können.
(Quelle)

Das sind Fakten, die vermuten lassen, dass die Bauern am Markt in einer komfortablen Situation sein müssten. Durch den Mangel an allen Ecken sollte man den Bauern eigentlich ihre regionalen Produkte aus den Händen reißen. Aber weit gefehlt. Die vorhandenen Angebotsmengen, die uns zum Teil knapp überversorgen, werden den Bauern als Überschüsse, wo auch immer diese auch herkommen, wieder unter die Nase gehalten und drücken den Preis.
Aber auch in Segmenten, in denen der Selbstversorgungsgrad lange nicht gedeckt ist, sind die Bauern mit ihren Produkten der Marktmacht ihrer Abnehmer und dem Weltmarktpreis unterworfen und es gibt nur selten kostendeckende Preise.

Macht es also Sinn nach immer mehr Freihandel für landwirtschaftliche Produkte zu rufen? Sind nicht etwa auch Gedanken und Maßnahmen angebracht, um die vorhandenen landwirtschaftlichen Ressourcen in regionale Märkte zu leiten, damit die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, nach unseren Standards erzeugten Lebensmitteln sichergestellt wird? Wäre es nicht besser politische Kraft in einen regionalen Kreislauf zu investieren, der dann frei von Weltmarktkrisen ist und das wichtigste im Leben sicherstellt, die Nahrungsmittelversorgung?

Fakt ist, je weiter die Nahrungsmittelproduktion aus Deutschland entfernt wird, desto mehr muss importiert werden. Darunter leidet die ganze Welt in Form von Ausbeutung, Hunger und Naturzerstörung durch mehr Flächenbedarf.


Fakt ist auch, das eigentlich z.B. an Weihnachten theoretisch der Teller leer bleibt. Das sollte jedem Menschen in Deutschland gerade in der schwierigen Pandemie Zeit zu denken geben, da es nicht selbstverständlich ist, dass es für jeden Menschen etwas zu essen gibt. Nicht jeder kann sich Nahrung leisten. Da wir hier aber ein reiches Land sind, können wir uns mit Lebensmittel auch aus ärmeren Ländern leicht eindecken. Kartoffeln aus Ägypten, Heidelbeeren aus Peru, Himbeeren aus Marokko, Rindfleisch aus Argentinien und auch Äpfel aus Südafrika sind nur einige Beispiele.


Weltweit liegt der Weizenertrag durchschnittlich bei etwa 3,5 Tonnen je Hektar (10.000 m²)(Quelle), in Deutschland liegt er bei etwa 7,5 Tonnen/Hektar (Quelle), in einigen Gunstlagen wie Süddeutschland gar bei etwa 9to/ha oder mehr. Somit ist jeder Quadratmeter sehr wertvoll, wenn man bedenkt, dass jede Fläche die hier nicht mehr genutzt werden kann, auf der anderen Seite die doppelte Flächengröße in einem anderen Land benötigt um den Verlust auszugleichen! Ganz oft wird diese einfach Rechnung vergessen. Ganz nach dem Spruch „aus den Augen, aus dem Sinn“. Eine einfache Vergrößerung und Verlagerung der Probleme dorthin, wo man sie nicht mehr sehen kann!

Ernährungssouveränität sollte Staatsziel sein.

Weshalb Landwirte vor den Zentrallagern des LEH stehen

Ein Bild das öfter durch die Nachrichten ging in letzter Zeit, Traktoren vor einer Zentrallagerzufahrt…

Es gibt 4 große Lebensmittelhändler:

Aldi, Lidl, Edeka und Rewe.

Gemeinsam vereinen sie mittlerweile ungefähr 85% des Marktanteils für Lebensmittel in Deutschland 2020.
Dem ganzen stehen in 2020 noch etwa 260.000 Landwirte gegenüber, die Ihre Milch, ihr Fleisch, ihr Gemüse, Obst und andere Waren indirekt über Verarbeiter oder auch direkt an die Supermärkte liefern.
Ein großes Ungleichgewicht, vor allem wenn man weiß, wie groß die Angst der einzelnen Betriebe unter anderem im nachgelagerten Bereich (Molkereien, Schlachthöfe etc.) ist von den jeweiligen Einzelhändlern ausgelistet zu werden, sollte man sich nicht „einig“ werden, beim Preis der zu verkaufenden Ware.

Doch anders als in der Industrie, in der Dienstleistung oder im Handwerk schreibt der Landwirt keine Rechnung, bekommt keine Lohnerhöhung oder Inflationsausgleich. Er bekommt nur das, was der Verarbeiter ihm im Preiskampf mit dem LEH noch gerade so zahlen kann!
Jegliche Mehrkosten die der Landwirt zu tragen hat, jede Auflage die seine Produktion verteuert, jedes Futtermittel, jede Maschine oder Reparatur die von Jahr zu Jahr mehr Kosten verursacht, belasten belasten jeden einzelnen Landwirt, der an dieser Stelle von seinen Ersparnissen (Substanz) lebt. Seit 40 Jahren herrschen schon etwa die gleichen Preise für Milch, Fleisch, Eier und Co.!

Auch eine Produktion unterhalb des Selbstversorgungsgrades eines Produktes bedeutet keineswegs einen besseren Preis.

Das Angebot von Eier (ca. 75%), Gemüse (ca. 45%) und Obst (ca. 30%) liegt zum Beispiel weit unter dem der Nachfrage, somit müsste damit deutlich mehr Gewinn in diesen Bereichen gemacht werden können. Leider ist das nicht der Fall, denn die fehlenden Produkte werden einfach aus anderen Ländern importiert, welche oft weit unter den hohen deutschen Produktionsstandards hergestellt werden und somit viel günstiger zu erwerben sind.

Die Landwirtschaft konnte das bisher durch modernere Produktionsmethoden, besserer Züchtung, mehr Technik und vor allem durch mehr Arbeitsstunden teilweise ausgleichen. Doch mittlerweile fährt die Deutsche Landwirtschaft seit Jahrzehnten auf Verschleiß, jedes Jahr neue Auflagen und höhere Kosten für den Einzelnen, bringen die bäuerlichen Familien an den Rand der Verzweiflung oder in den Ruin.

650.000 Landwirte gab es noch 1990, 30 Jahre später sind nur noch etwa 260.000 davon übrig, also 60% weniger.

Allein zwischen 2005-2018 gaben etwa 40% der Milchviehbetriebe und ca. 75% der Schweinehalter auf!

Zitat diverser Parteien: „wir wollen familienBetriebe erhalten“

Die Deutsche Landwirtschaft hängt am seidenen Faden, ein Strukturbruch droht und es ist vielen Menschen überhaupt nicht bewusst, wie es sich auf Deutschland auswirkt, welche Konsequenzen es auch für andere Länder hat und wie gefährlich die derzeitige Situation tatsächlich ist.

Aus dieser Not heraus sind die Landwirte aufgestanden, haben sich organisiert und zusammengeschlossen und vor über einem Jahr den LSV gegründet. Viele Aktionen, Demonstrationen mit Schleppern, Zeit und Engagement wurde investiert. Politiker wurden angesprochen wo auch immer sie auch anzutreffen waren, ihnen wurden E-Mails geschickt, viele Leser- und Brandbriefe wurden verfasst um auf die Situation der Bauern aufmerksam zu machen.

Die Politik tat aber wie immer Wenig bis Garnichts, um die Lage der Landwirte und ihrer Familien zu verbessern. Im Gegenteil, es wurden neue Verordnungen verfasst, neue Auflagen erlassen, ohne einmal die Grundlegenden Probleme der Landwirte zu lösen, die bereits seit Jahrzehnten bestehen.

Während des Corona Ausbruches sprach man der Landwirtschaft noch eine Systemrelevanz zu, die sich über den Handel mit höheren Preisen zeigte, jedoch beim Landwirt wie so oft nichts ankam.

Die Bauern sollten die Produktion in ihrem vollen Umfang aufrechterhalten hieß es.

Dafür wurde er dann ein paar Monate später, als es zu einem Schlachtstau bei den Schweinen durch Corona kam, mit einem sehr schlechten Preis abgegolten und die Landwirte als nicht vorausschauende Produzenten beschimpft.
Das brachte viele der verzweifelten Menschen dazu, Anfang Dezember mehrere Zentrallager der bekannten Big 4 (Edeka, Lidl, Aldi und Rewe) zu blockieren, um kurzfristig eine schnelle Lösung für die gebeutelten Bauern zu schaffen und den Druck auf die Politik zu erhöhen!
Sie demonstrierten für einen langfristig grundlegenden Systemwechsel, hin zu einer Fairen Bezahlung für hochwertige Produkte mit hohen Standards, bei der die Produktionskosten auch gedeckt sein sollen!



Es kam Mitte Dezember dann zu einem Austausch direkt zwischen den Landwirten und dem Handel, eine der wirklich seltenste Konstellationen die man sich so vorstellen kann.
Es wurden einige Punkte besprochen die den Landwirten unter den Fingern brennen und am Herzen liegen.

Einige dieser Forderungen klingen logisch, wie z.B.

  • Deutliche Kennzeichnung der Herkunft aller Inhaltstoffe, wenn über 80% der Inhaltstoffe aus Deutschland kommen soll eine deutliche Kennzeichnung darauf abgebildet werden
  • Wenn ausländische Waren hier verkauft werden, sollen diese nach unseren Produktionsstandards und Auflagen produziert werden, alles andere wäre ein Marktungleichgewicht und unfair gegenüber dem Verbraucher dem sonst minderwertige Ware untergejubelt wird
  • Anhebung der Erzeugerpreise sofort und dauerhaft um 30% um die schlechte Situation der Landwirte schnell zu beheben. Preise sollen eigentlich vom Landwirt gemacht werden und nicht mehr vom Händler. Jeder Hersteller weiß, wie das funktioniert.
  • Kennzeichnung wieviel am Produkt der Landwirt überhaupt anteilsmäßig verdient.

Anhand der Forderungen ist erkennbar, dass sich Grundlegend etwas ändert.

Bei den Bauern ist ein neues Bewusstsein entstanden und die bäuerlichen Familien sind es sich wert für Ihre Belange so lange einzustehen, bis ihnen endlich ein lebenswerter Preis für ihre Produkte bezahlt wird.

Wir werden uns weiter für unsere Belange einsetzen bis das Ziel: von unserer Arbeit leben zu können im Einklang mit Tier und Natur erreicht ist.

Aktion „Ein Funken Hoffnung“



Da zum diesjährigen Weihnachtsfest die sozialen Kontakte und das öffentliche Leben stark eingeschränkt sind, hatten die Landwirte aus Eggstätt, Bad Endorf, Rimsting, Prien, Breitbrunn, Gstadt und Gollenshausen folgende Idee. Unter dem Motto “ Ein Funke Hoffnung“, fand am Samstag den 19.12.2020 eine Lichterfahrt mit geschmückten Schleppern durch die landwirtschaftliche Basisbewegung „Land schafft Verbindung“ kurz LsV statt.

Dazu schmückten über 40 Landwirte ihre Schlepper und Fahrzeuge mit Christbäumen, Leuchtfiguren und Lichterketten. Sie machten sich auf den Weg durch die Dörfer um den Menschen und vor allem den Kindern eine Freude zu bereiten. Diese konnten durch die Fenster, vom Garten aus oder weit verteilt an den Straßenrändern die wunderschön geschmückten Gefährte bestaunen. Die Coronaauflagen konnten die Fahrer der Fahrzeuge ganz leicht durch die geschlossenen Kabinen einhalten.

Hauptstation war die Kinderkrebsklinik in Gollershausen, wo die Landwirte einen kurzen Stopp einlegten und einen Spendenscheck über 1200 € überreichten. Die Freude über diese Aktion war hier besonders groß, was auch die teilnehmenden Landwirte sehr berührte.

Obwohl Corona momentan unser aller Leben stark belastet, sollten wir dennoch nicht die zahlreichen anderen Krankheiten und Schicksalsschläge unserer Mitmenschen in der Gesellschaft vergessen.
Die Landwirte wollten mit dieser Aktion den Anwohnern auch ein frohes und gesundes Weihnachtsfest sowie ein gutes Neues Jahr wünschen. Zudem möchten sie sich auch bei der Bevölkerung für das Vertrauen und die Wertschätzung, die sie unserer Landwirtschaft durch den Kauf von regionalen Produkten entgegenbringen, bedanken. Die Landwirte nehmen sich gerne der Aufgabe an, hochwertige, nachhaltige und gesunde Lebensmittel zu erzeugen und freuen sich wenn diese von der Gesellschaft wertgeschätzt werden. In Krisenzeiten ist der gegenseitige Respekt und das Verständnis füreinander besonders wichtig.
Die Menschlichkeit sollte hierbei immer im Vordergrund stehen. Die Sorgen und Nöte der einzelnen Person werden kleiner und lösbarer wenn wir aufeinander zugehen, uns Mut zusprechen und füreinander da sind. Der Weihnachtsgedanke sollte vor allem auch jetzt ein ganz wichtiger sein.




Wir wünschen ein frohes, ruhiges und schönes Weihnachtsfest. Bleibt alle hoffentlich gesund und lasst euch vom Geist der Weihnacht erfüllen!

Die Verbändeanhörung zur AVDüV 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
LSV-Bayern konnte, wie auch die anderen Fachverbände und Landwirtschaftlichen Vereine, eine Stellungnahme zu der Verbändeanhörung erstellen. Durch die Fachgruppen der einzelnen Regierungsbezirke wurden die einzelnen Punkte ausgearbeitet und anschließend im folgenden Schreiben zusammengefasst.
Die Ausarbeitung selbst wurde dann am 2.12.2020 dem Landwirtschaftsministerium übergeben.
Folgendes Schreiben wurde dem Ministerium vorgelegt:


Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei die ausgearbeitete Stellungnahme zur Verbändeanhörung bezüglich der Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung von Landwirtschaft verbindet Bayern e.V.

Vorblatt:

1)  Die Landwirtschaft begrüßt jegliche Maßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität. Jedoch ist dies auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Die Grundlagen der AVDüV (z.B. Messstellen, Einstufung in belastete/unbelastete Gebiete…) müssen eindeutig wissenschaftlich begründet sein. Unter anderem ergeben sich folgende Anmerkungen und Forderungen:

  • Grundsätzlich muss das Verursacherprinzip gelten. Zudem sind Zweck und Erfolg/Nutzen der Maßnahmen im Voraus fachlich zu belegen, da sonst zu befürchten ist, dass die festgelegten Schritte keine Verbesserung in den nächsten vier Jahren bewirken.
  • Hält das Messstellennetz einer wissenschaftlichen Überprüfung stand, z. B. in Punkto gesetzliche Vorgaben und wissenschaftlichen Anforderungen an Messstellen und ist es repräsentativ für das jeweilige Gebiet?

Wie kommen beispielsweise teils einzelne roten Flächen zustande, welche dann von nicht belasteten umringt sind (oder auch andersrum)?

  • Unschlüssigkeit besteht auch darüber, wie Flächen in Grundwasserkörper eingebunden sind. Es wurden scheinbar Gemarkungsgrenzen oder einfach Straßen zur Unterteilung von Grün/Gelb/Rot verwendet.
  • Es wird eine vollständige Transparenz bei der Probenahme der Messstellen gefordert. Das Verfahren und die Daten müssen offengelegt werden, auch die Prüfprotokolle.
  • Das Verfahren zur Modellierung der Nitrat- und Phosphatkulisse muss im Detail offengelegt werden.
  • Sollte der Ausbau des Messstellennetztes nicht bis zum 31.12.2024 in der geforderten Form vorliegen, dürfen nicht die Landwirte die Leidtragenden sein, indem Gebiete rot werden.
  • Messwerte neuer Stützmessstellen müssen immer sofort berücksichtigt werden. Werden Messtellen z. B. auf Grund baulicher oder sonstiger Mängel aus dem Messnetz genommen, muss sofort und nicht erst zum 31.12.2024 eine Neuberechnung und Neubewertung des kompletten Grundwasserkörpers stattfinden und ggf. entsprechende Gebiete sofort aus der Roten Gebietskulisse genommen werden.
  • Wenn genügend Brunnen mit niedrigen Nitratwerten in einem Grundwasserkörper liegen, dann darf ein einzelner nicht den ganzen Grundwasserkörper rot einfärben, insbesondere wenn es auch noch außerlandwirtschaftliche Eintragsquellen gibt.
  • Bei überhöhten Messwerten sind verpflichtend die außerlandwirtschaftlichen Einflüsse zu prüfen (z. B. durch Messung von Co-Stoffen, wie Coffein oder Hormone und Arzneien aus der Humanmedizin)
  • Liegen mehrere Messwerte für einen Brunnen vor, dann muss der Durchschnitt und nicht der Höchstwert gelten, vor allem, wenn dieser im Vergleich zu den anderen unplausibel hoch ist.
  • Offenlegung aller verwendeten Messstellen (inkl. Stützmessstellen) und aller dazu gehörigen Unterlagen

(z. B.  Prüfprotokolle).

  • Stützmessstellen: Bevorzugt müssen in Gebieten, in denen sowie zu wenige Messstellen vorhanden sind, Stützmessstellen zeitnah in die Kulisse aufgenommen werden.
  • Grundsätzlich sollte aufgrund fehlender oder mangelhafter Messstellen, sowie wegen der Aufnahme neuer Messstellen, eine Überprüfung und die daraus resultierende Anpassung der AVDüV nicht erst in 4 Jahren, sondern bereits in 1-2 Jahren erfolgen
  • Es fehlt in der Ausarbeitung der AVDüV, ob durch die alleinige Umsetzung derselben, die Umweltziele der EG WRRL zu erreichen sind.

2)  Die Auswirkungen, der durch die AVDüV beschlossenen Vorgaben und Maßnahmen, sind wissenschaftlich zu begleiten. Daraus ergeben sich folgende Fragen:

  • Wer begleitet in den kommenden Jahren die Auswirkungen der AVDüV wissenschaftlich und prüft die Sinnhaftigkeit bzw. den Erfolg oder Misserfolg der aktuell geplanten Maßnahmen?
  • Was passiert, wenn sich trotz der neuen AVDüV die Nitrat- und Phosphatbelastungen kurzfristig (sprich innerhalb weniger Jahre) nicht verbessern? Aufgrund der langen Zeiträume, die vor allem Veränderungen der Nitratwerte im Grundwasser benötigen, sind diese auch realistischerweise nicht zu erwarten.  Werden dann – trotz des Wissens um die benötigten langen Veränderungszeiträume – die nächsten Verschärfungen für die Landwirtschaft beschlossen (analog dem kurzen Zeitraum zwischen den Verschärfungen der DüV`s)?
  • Obwohl durch die Vorgaben der DüV bzw. AVDüV deutliche Reduzierungen der landwirtschaftlichen Einträge von Nitrat und Phosphat in die Gewässer zu erwarten sind, werden diese durch gleichbleibende oder sogar steigende Einträge aus anderen Quellen teilweise verwässert bzw. aufgehoben. Wie wird der Einfluss der anderen Quellen bei der erneuten Überprüfung in 4 Jahren berücksichtigt, damit die alleinige Schuld nicht bei der Landwirtschaft verbleibt?

3)  Es ist eine Feststellung notwendig, dass die Landwirtschaft nicht der alleinige Verursacher von Nitratanteilen im Grundwasser und Phosphatanteilen in Oberflächengewässern ist. Zudem ergeben sich folgende Anmerkungen und Feststellungen:

  • Welchen Beitrag müssen die anderen Beteiligten leisten, die Nitrat- und Phosphateinträge ins Grund- bzw. Oberflächenwasser verursachen?
  • Wie soll in Punkto Phosphat, vor allem bei sehr geringem Anteil der Belastung durch die Landwirtschaft (teils nur 20% Anteil an Belastung) 100%ige Verbesserung des Oberflächenwassers bewirkt werden?
  • Eine Verbesserung des Grundwassers (bzgl. Nitrat) benötigt einen Zeitraum von mindestens 20-40 Jahren. Auch eine Verbesserung der Oberflächengewässer bzgl. Phosphat ist nicht innerhalb kurzer Zeit zu erwarten. Welche Werte sind hier überhaupt realistischerweise bis 2024 bezüglich Nitrat und Phosphat zu erwarten?

4) Um eine verursachergerechte Binnendifferenzierung zu erreichen, müssen alle Messungen, Berechnungen und Modelle möglichst kleinräumig erfolgen. Unter anderem ergeben sich folgende Anmerkungen und Forderungen:

  • Die Offenlegung der kompletten Modellierung/Berechnungen, inkl. der zugrunde gelegten Daten (z. B. Viehdichten, N-Salden…) bzw. in wie weit die Daten regionalisiert wurden, um eine verursachergerechte Binnendifferenzierung zu erhalten sowie eine Plausibilisierung der Daten zu ermöglichen.
  • Einzelbetriebliche Ausnahmen für bereits vorbildlich wirtschaftende Betriebe müssen möglich sein.

5) Vertragsverletzungsverfahren der EU betrifft nur die Nitratkulisse. Warum wurde ohne triftigen Grund zusätzliche eine Phosphatkulisse mit entsprechenden Auflagen erstellt?

B Lösung:

C Alternativen:

Wurden überhaupt Alternativen geprüft und wenn ja welche und mit welchem Ergebnis? Pauschale Feststellung, dass es keine Alternativen gibt, entspricht nicht der Realität. Es gibt immer Alternativen!

D Kosten und Nutzen:

1) Allgemein ist die Berechnung der zugrunde gelegten zusätzlichen Kosten offenzulegen. Viele Kostenpositionen sich aus Sicht des LSV nur unzureichend oder überhaupt nicht berücksichtigt, u. a.:

  • Hoher Kosten/Zeitaufwand für die schlagbezogene 170kg N/ha Regelung (vor allem in kleinstrukturierten Regionen)
  • Zusätzliche Kosten für Beratung, da von Landwirt alleine kaum noch zu verstehen und vom AELF nicht mehr ausreichend geleistet.
  • Zusätzliche Kosten für neue Ausbringtechnik (z. B. Ausbringung in Stehendem Mais notwendig bzw. höhere Schlagkraft erforderlich, da Ausbringungszeitraum drastisch verkürzt).
  • Zusätzliche Kosten für Anstieg der Bodenerosion, wenn sich Mulchsaat (auf Grund fehlender Düngung in den Roten Gebieten) nur noch unzureichend entwickelt und damit keinen ausreichenden Erosionsschutz mehr bietet.
  • Zusätzliche Kosten für neue Sätechnik (Mulchsaat bei Kleinsämereinen, wie Gemüsebau, bisher kaum verbreitet)
  • Zusätzliche Kosten für Landwirte, aber auch der Gesellschaft durch Humusabbau der Flächen, was bei reduzierter Düngung (insbesondere Wirtschaftsdünger und Düngung der Zwischenfrüchte) zu erwarten ist. Durch den Humusabbau ergibt sich auch eine Verschlechterung der CO2-Bilanz, was den Klimazielen widerspricht.
  • Entwertung der Flächen…
  • Zusätzlich Kosten für die Verwendung bestimmter Programme, da es teils keine Akzeptanz von in den Betrieben bereits vorhanden, digital geführten Ackerschlagkarteien gibt.
  • Wo bleibt die Berücksichtigung der massiven Wettbewerbsverzerrung zwischen den Grünen bzw. Nichtgrünen Gebieten?
  • Wo wird der sogenannte Bürokratieabbau berücksichtigt? Die AVDüV ist für die Landwirte mit einem enormen bürokratischen Aufwand verbunden.
  • Kosten für die Ertragsreduzierung durch verminderte Düngung
  • Kosten für erhöhten Flächenbedarf zur Gülleausbringung bzw. Bestandsreduktion bei Tierhaltern und Biogasbetrieben in roten Gebieten.

2)  Anmerkungen zur Roten Gebietskulisse

  • Verpflichtende Zwischenfrucht Ansaat im September ist zu spät, da je nach Witterung nur mehr geringer Aufwuchs und Wurzelbildung erfolgt und somit wenig Erfolg bringt (Stickstoffbindung, Errosionsschutz). Änderung auf Vorfruchträumung vor dem 01. September statt bisher 1. Oktober (alternativ 10. Oder 15. September) oder Bezug auf Vorfrucht (Getreide, Öl und Eiweißfrüchte).
  • Begrünung sollte ab 15.11. (nicht erst ab 15.01 wie in der aktuellen Fassung) eingearbeitet werden dürfen. Als Vergleich sollten Verträge von Wasserversorgern mit Landwirten in Wasserschutzgebieten herangezogen werden (Beispiel: Wasserschutzgebiet Stadt Straubing), die dies erlauben, da der Aufwuchs bis dahin den Stickstoff im Boden gebunden hat und auch nach der Einarbeitung diesen ausreichend bis ins Frühjahr speichert. Dies ist nachweislich erfolgreich seit etwa 30 Jahren im o. g. Gebiet.
  • Unschlüssig sind auch die unterschiedlichen Festlegungen von benachbarten Einzelflächen, nach den bisher vorliegenden Excel-Tabellen.

3)  Anmerkungen zur gelben Gebietskulisse

  • Verpflichtende Zwischenfrüchte erschweren zusätzlich mechanische Unkraut- und Schädlingsbekämpfung (z.B. Wurzelunkräuter oder Drahtwurm), wodurch sich wiederum der erforderliche Pflanzenschutzeinsatz erhöht.
  • „Eutrophierte (gelbe) Gebiete“ sind großflächig ausgewiesen, unabhängig davon, ob die jeweiligen Flächen überhaupt einen Anschluss an Oberflächengewässer haben bzw. im Einzugsgebiet des belasteten Oberflächengewässers liegen. Wie sollen die zahlreichen Flächen, die aktuell in der Gelben Kulisse vorhanden sind, aber keinen Anschluss an die belasteten Oberflächengewässer haben, zur Reduktion des Phosphats derselbigen beitragen?
  • Datengrundlagen der Einstufung, wie Messergebnisse der belasteten Gewässer bzw. auch eine amtliche Gewässerkarte der relevanten Gewässer fehlen, wie auch schon bei der Festlegung der Gewässerrandstreifen aufgrund des Bienen-Volksbegehrens.
  • Weiter fehlt auch das Verursacherprinzip. Einleitende Kläranlagen in diesen Bereichen und deren Werte sind nicht veröffentlicht bzw. auch nicht die entsprechend Protokolle in denen dokumentiert ist, wie und wann Proben gezogen wurden/werden?
  • Die Gewässerkulisse der eutrophierten (gelben) Gebiete sollten mit der Oberflächengewässerkarte vom Bienen-Volksbegehren gleich sein.

4)  Laut den vorliegenden Unterlagen sind Kosten für Verbraucher/Unternehmen bzw. Auswirkungen auf Einzelpreise nicht zu erwarten. Man geht also davon aus, dass die Kosten der AVDüV von der Landwirten alleine getragen werden. Diese Kosten treffen aber nicht die gesamte Landwirtschaft, sondern nur die in den Roten Gebieten. Da die betroffenen Landwirte alleine auf den Kosten sitzen bleiben, wird dies zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung in den Roten Gebieten führen, mit allen bekannten negativen Konsequenzen (z. B. Betriebsaufgaben vor allem der kleinbäuerlichen Betriebe).

§ 1

Mit Nitrat belastete 

Laut Unterlagen erfolgt die Umsetzung und Finanzierung des Erfüllungsaufwands der Verwaltung im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel bzw. bleiben künftigen Haushaltsverhandlungen vorbehalten. Dazu ist anzumerken:

1)  Sofern nicht ausreichend Geld zur Umsetzung vorhanden ist, werden die entsprechenden Gebiete ROT!  Die Landwirtschaft wäre somit, obwohl nicht der Verursacher, der Leidtragende.

2)  Das benötigte Geld darf der Landwirtschaft, neben den sowieso bereits aus den Maßnahmen der AVDüV zu tragenden Kosten, nicht noch zusätzlich aus der Förderungssäule oder den Töpfen der AELF`s entzogen werden. Es darf auch keine sonstige Herausnahme aus dem Landwirtschaftshaushalt erfolgen.

§ 2

Eutrophierte Gebiete

1)  Abs.2 Nr.1a: Der Bezugspunkt zum Messen des Gewässerabstands fehlt. Aus Vereinfachungsgründen sollte der Gewässerabstand analog dem Artenschutzvolksbegehren festgelegt werden.

2)  Die Düngung bei Zweitfrüchten mit Futternutzung muss neben der Verwertung über Tiermägen auch für die Verwertung in Biogasanlagen freigegeben werden. Für eine Nährstoffverlagerung spielt die Verwertung des abgefahrenen Aufwuchses keine Rolle. Somit ist dies fachlich nicht zu begründen.

§ 3

Abweichende Anforderungen

Eine reduzierte Düngung (insbesondere mit Wirtschaftsdünger) und vor allem das Düngeverbot für Zwischenfrüchte widersprechen dem Ziel des Humusaufbaus zur CO2-Bindung und somit dem Klimaschutz.

Um die Landwirte bei der Umsetzung der AVDÜV zu unterstützen und Entscheidungsgrundlagen zu liefern, müssen Versuche der Landesanstalt für Landwirtschaft so angepasst werden, dass sie den zukünftigen Vorgaben in den roten Gebieten entsprechen. Das heißt, die Versuche müssen auf langjährig unterdüngten Flächen angelegt werden, wie sie auch der zukünftigen Praxis in den roten Gebieten entsprechen, und nicht wie bisher, auf in den Vorjahren optimal gedüngten Flächen. Die zur Zeit erzielten Ergebnisse entsprechen nicht der Realität.

§ 4

Ordnungswidrigkeiten

Aufgrund des Umfangs der DüV- bzw. AVDüV-Vorschriften, sowie der komplexen Materie und der fehlenden Validierung der Messstellen, sollte den Landwirten bei erstmaligen Verstößen nur eine Verwarnung ohne Sanktion auferlegt werden.



Begründung


 B. Zwingende Notwendigkeit einer normativen Regelung

C. Zu den einzelnen Vorschriften:

Der Verein Landwirtschaft verbindet Bayern e.V. bedankt sich im Voraus für die Bearbeitung und Berücksichtigung der Stellungnahme zur AVDüV.

Mit freundlichen Grüßen

________________________

Rainer Seidl, 1.Vorstand