Weshalb Landwirte vor den Zentrallagern des LEH stehen

Ein Bild das öfter durch die Nachrichten ging in letzter Zeit, Traktoren vor einer Zentrallagerzufahrt…

Es gibt 4 große Lebensmittelhändler:

Aldi, Lidl, Edeka und Rewe.

Gemeinsam vereinen sie mittlerweile ungefähr 85% des Marktanteils für Lebensmittel in Deutschland 2020.
Dem ganzen stehen in 2020 noch etwa 260.000 Landwirte gegenüber, die Ihre Milch, ihr Fleisch, ihr Gemüse, Obst und andere Waren indirekt über Verarbeiter oder auch direkt an die Supermärkte liefern.
Ein großes Ungleichgewicht, vor allem wenn man weiß, wie groß die Angst der einzelnen Betriebe unter anderem im nachgelagerten Bereich (Molkereien, Schlachthöfe etc.) ist von den jeweiligen Einzelhändlern ausgelistet zu werden, sollte man sich nicht „einig“ werden, beim Preis der zu verkaufenden Ware.

Doch anders als in der Industrie, in der Dienstleistung oder im Handwerk schreibt der Landwirt keine Rechnung, bekommt keine Lohnerhöhung oder Inflationsausgleich. Er bekommt nur das, was der Verarbeiter ihm im Preiskampf mit dem LEH noch gerade so zahlen kann!
Jegliche Mehrkosten die der Landwirt zu tragen hat, jede Auflage die seine Produktion verteuert, jedes Futtermittel, jede Maschine oder Reparatur die von Jahr zu Jahr mehr Kosten verursacht, belasten belasten jeden einzelnen Landwirt, der an dieser Stelle von seinen Ersparnissen (Substanz) lebt. Seit 40 Jahren herrschen schon etwa die gleichen Preise für Milch, Fleisch, Eier und Co.!

Auch eine Produktion unterhalb des Selbstversorgungsgrades eines Produktes bedeutet keineswegs einen besseren Preis.

Das Angebot von Eier (ca. 75%), Gemüse (ca. 45%) und Obst (ca. 30%) liegt zum Beispiel weit unter dem der Nachfrage, somit müsste damit deutlich mehr Gewinn in diesen Bereichen gemacht werden können. Leider ist das nicht der Fall, denn die fehlenden Produkte werden einfach aus anderen Ländern importiert, welche oft weit unter den hohen deutschen Produktionsstandards hergestellt werden und somit viel günstiger zu erwerben sind.

Die Landwirtschaft konnte das bisher durch modernere Produktionsmethoden, besserer Züchtung, mehr Technik und vor allem durch mehr Arbeitsstunden teilweise ausgleichen. Doch mittlerweile fährt die Deutsche Landwirtschaft seit Jahrzehnten auf Verschleiß, jedes Jahr neue Auflagen und höhere Kosten für den Einzelnen, bringen die bäuerlichen Familien an den Rand der Verzweiflung oder in den Ruin.

650.000 Landwirte gab es noch 1990, 30 Jahre später sind nur noch etwa 260.000 davon übrig, also 60% weniger.

Allein zwischen 2005-2018 gaben etwa 40% der Milchviehbetriebe und ca. 75% der Schweinehalter auf!

Zitat diverser Parteien: „wir wollen familienBetriebe erhalten“

Die Deutsche Landwirtschaft hängt am seidenen Faden, ein Strukturbruch droht und es ist vielen Menschen überhaupt nicht bewusst, wie es sich auf Deutschland auswirkt, welche Konsequenzen es auch für andere Länder hat und wie gefährlich die derzeitige Situation tatsächlich ist.

Aus dieser Not heraus sind die Landwirte aufgestanden, haben sich organisiert und zusammengeschlossen und vor über einem Jahr den LSV gegründet. Viele Aktionen, Demonstrationen mit Schleppern, Zeit und Engagement wurde investiert. Politiker wurden angesprochen wo auch immer sie auch anzutreffen waren, ihnen wurden E-Mails geschickt, viele Leser- und Brandbriefe wurden verfasst um auf die Situation der Bauern aufmerksam zu machen.

Die Politik tat aber wie immer Wenig bis Garnichts, um die Lage der Landwirte und ihrer Familien zu verbessern. Im Gegenteil, es wurden neue Verordnungen verfasst, neue Auflagen erlassen, ohne einmal die Grundlegenden Probleme der Landwirte zu lösen, die bereits seit Jahrzehnten bestehen.

Während des Corona Ausbruches sprach man der Landwirtschaft noch eine Systemrelevanz zu, die sich über den Handel mit höheren Preisen zeigte, jedoch beim Landwirt wie so oft nichts ankam.

Die Bauern sollten die Produktion in ihrem vollen Umfang aufrechterhalten hieß es.

Dafür wurde er dann ein paar Monate später, als es zu einem Schlachtstau bei den Schweinen durch Corona kam, mit einem sehr schlechten Preis abgegolten und die Landwirte als nicht vorausschauende Produzenten beschimpft.
Das brachte viele der verzweifelten Menschen dazu, Anfang Dezember mehrere Zentrallager der bekannten Big 4 (Edeka, Lidl, Aldi und Rewe) zu blockieren, um kurzfristig eine schnelle Lösung für die gebeutelten Bauern zu schaffen und den Druck auf die Politik zu erhöhen!
Sie demonstrierten für einen langfristig grundlegenden Systemwechsel, hin zu einer Fairen Bezahlung für hochwertige Produkte mit hohen Standards, bei der die Produktionskosten auch gedeckt sein sollen!



Es kam Mitte Dezember dann zu einem Austausch direkt zwischen den Landwirten und dem Handel, eine der wirklich seltenste Konstellationen die man sich so vorstellen kann.
Es wurden einige Punkte besprochen die den Landwirten unter den Fingern brennen und am Herzen liegen.

Einige dieser Forderungen klingen logisch, wie z.B.

  • Deutliche Kennzeichnung der Herkunft aller Inhaltstoffe, wenn über 80% der Inhaltstoffe aus Deutschland kommen soll eine deutliche Kennzeichnung darauf abgebildet werden
  • Wenn ausländische Waren hier verkauft werden, sollen diese nach unseren Produktionsstandards und Auflagen produziert werden, alles andere wäre ein Marktungleichgewicht und unfair gegenüber dem Verbraucher dem sonst minderwertige Ware untergejubelt wird
  • Anhebung der Erzeugerpreise sofort und dauerhaft um 30% um die schlechte Situation der Landwirte schnell zu beheben. Preise sollen eigentlich vom Landwirt gemacht werden und nicht mehr vom Händler. Jeder Hersteller weiß, wie das funktioniert.
  • Kennzeichnung wieviel am Produkt der Landwirt überhaupt anteilsmäßig verdient.

Anhand der Forderungen ist erkennbar, dass sich Grundlegend etwas ändert.

Bei den Bauern ist ein neues Bewusstsein entstanden und die bäuerlichen Familien sind es sich wert für Ihre Belange so lange einzustehen, bis ihnen endlich ein lebenswerter Preis für ihre Produkte bezahlt wird.

Wir werden uns weiter für unsere Belange einsetzen bis das Ziel: von unserer Arbeit leben zu können im Einklang mit Tier und Natur erreicht ist.

Aktion „Ein Funken Hoffnung“



Da zum diesjährigen Weihnachtsfest die sozialen Kontakte und das öffentliche Leben stark eingeschränkt sind, hatten die Landwirte aus Eggstätt, Bad Endorf, Rimsting, Prien, Breitbrunn, Gstadt und Gollenshausen folgende Idee. Unter dem Motto “ Ein Funke Hoffnung“, fand am Samstag den 19.12.2020 eine Lichterfahrt mit geschmückten Schleppern durch die landwirtschaftliche Basisbewegung „Land schafft Verbindung“ kurz LsV statt.

Dazu schmückten über 40 Landwirte ihre Schlepper und Fahrzeuge mit Christbäumen, Leuchtfiguren und Lichterketten. Sie machten sich auf den Weg durch die Dörfer um den Menschen und vor allem den Kindern eine Freude zu bereiten. Diese konnten durch die Fenster, vom Garten aus oder weit verteilt an den Straßenrändern die wunderschön geschmückten Gefährte bestaunen. Die Coronaauflagen konnten die Fahrer der Fahrzeuge ganz leicht durch die geschlossenen Kabinen einhalten.

Hauptstation war die Kinderkrebsklinik in Gollershausen, wo die Landwirte einen kurzen Stopp einlegten und einen Spendenscheck über 1200 € überreichten. Die Freude über diese Aktion war hier besonders groß, was auch die teilnehmenden Landwirte sehr berührte.

Obwohl Corona momentan unser aller Leben stark belastet, sollten wir dennoch nicht die zahlreichen anderen Krankheiten und Schicksalsschläge unserer Mitmenschen in der Gesellschaft vergessen.
Die Landwirte wollten mit dieser Aktion den Anwohnern auch ein frohes und gesundes Weihnachtsfest sowie ein gutes Neues Jahr wünschen. Zudem möchten sie sich auch bei der Bevölkerung für das Vertrauen und die Wertschätzung, die sie unserer Landwirtschaft durch den Kauf von regionalen Produkten entgegenbringen, bedanken. Die Landwirte nehmen sich gerne der Aufgabe an, hochwertige, nachhaltige und gesunde Lebensmittel zu erzeugen und freuen sich wenn diese von der Gesellschaft wertgeschätzt werden. In Krisenzeiten ist der gegenseitige Respekt und das Verständnis füreinander besonders wichtig.
Die Menschlichkeit sollte hierbei immer im Vordergrund stehen. Die Sorgen und Nöte der einzelnen Person werden kleiner und lösbarer wenn wir aufeinander zugehen, uns Mut zusprechen und füreinander da sind. Der Weihnachtsgedanke sollte vor allem auch jetzt ein ganz wichtiger sein.




Wir wünschen ein frohes, ruhiges und schönes Weihnachtsfest. Bleibt alle hoffentlich gesund und lasst euch vom Geist der Weihnacht erfüllen!

Die Verbändeanhörung zur AVDüV 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
LSV-Bayern konnte, wie auch die anderen Fachverbände und Landwirtschaftlichen Vereine, eine Stellungnahme zu der Verbändeanhörung erstellen. Durch die Fachgruppen der einzelnen Regierungsbezirke wurden die einzelnen Punkte ausgearbeitet und anschließend im folgenden Schreiben zusammengefasst.
Die Ausarbeitung selbst wurde dann am 2.12.2020 dem Landwirtschaftsministerium übergeben.
Folgendes Schreiben wurde dem Ministerium vorgelegt:


Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei die ausgearbeitete Stellungnahme zur Verbändeanhörung bezüglich der Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung von Landwirtschaft verbindet Bayern e.V.

Vorblatt:

1)  Die Landwirtschaft begrüßt jegliche Maßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität. Jedoch ist dies auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen. Die Grundlagen der AVDüV (z.B. Messstellen, Einstufung in belastete/unbelastete Gebiete…) müssen eindeutig wissenschaftlich begründet sein. Unter anderem ergeben sich folgende Anmerkungen und Forderungen:

  • Grundsätzlich muss das Verursacherprinzip gelten. Zudem sind Zweck und Erfolg/Nutzen der Maßnahmen im Voraus fachlich zu belegen, da sonst zu befürchten ist, dass die festgelegten Schritte keine Verbesserung in den nächsten vier Jahren bewirken.
  • Hält das Messstellennetz einer wissenschaftlichen Überprüfung stand, z. B. in Punkto gesetzliche Vorgaben und wissenschaftlichen Anforderungen an Messstellen und ist es repräsentativ für das jeweilige Gebiet?

Wie kommen beispielsweise teils einzelne roten Flächen zustande, welche dann von nicht belasteten umringt sind (oder auch andersrum)?

  • Unschlüssigkeit besteht auch darüber, wie Flächen in Grundwasserkörper eingebunden sind. Es wurden scheinbar Gemarkungsgrenzen oder einfach Straßen zur Unterteilung von Grün/Gelb/Rot verwendet.
  • Es wird eine vollständige Transparenz bei der Probenahme der Messstellen gefordert. Das Verfahren und die Daten müssen offengelegt werden, auch die Prüfprotokolle.
  • Das Verfahren zur Modellierung der Nitrat- und Phosphatkulisse muss im Detail offengelegt werden.
  • Sollte der Ausbau des Messstellennetztes nicht bis zum 31.12.2024 in der geforderten Form vorliegen, dürfen nicht die Landwirte die Leidtragenden sein, indem Gebiete rot werden.
  • Messwerte neuer Stützmessstellen müssen immer sofort berücksichtigt werden. Werden Messtellen z. B. auf Grund baulicher oder sonstiger Mängel aus dem Messnetz genommen, muss sofort und nicht erst zum 31.12.2024 eine Neuberechnung und Neubewertung des kompletten Grundwasserkörpers stattfinden und ggf. entsprechende Gebiete sofort aus der Roten Gebietskulisse genommen werden.
  • Wenn genügend Brunnen mit niedrigen Nitratwerten in einem Grundwasserkörper liegen, dann darf ein einzelner nicht den ganzen Grundwasserkörper rot einfärben, insbesondere wenn es auch noch außerlandwirtschaftliche Eintragsquellen gibt.
  • Bei überhöhten Messwerten sind verpflichtend die außerlandwirtschaftlichen Einflüsse zu prüfen (z. B. durch Messung von Co-Stoffen, wie Coffein oder Hormone und Arzneien aus der Humanmedizin)
  • Liegen mehrere Messwerte für einen Brunnen vor, dann muss der Durchschnitt und nicht der Höchstwert gelten, vor allem, wenn dieser im Vergleich zu den anderen unplausibel hoch ist.
  • Offenlegung aller verwendeten Messstellen (inkl. Stützmessstellen) und aller dazu gehörigen Unterlagen

(z. B.  Prüfprotokolle).

  • Stützmessstellen: Bevorzugt müssen in Gebieten, in denen sowie zu wenige Messstellen vorhanden sind, Stützmessstellen zeitnah in die Kulisse aufgenommen werden.
  • Grundsätzlich sollte aufgrund fehlender oder mangelhafter Messstellen, sowie wegen der Aufnahme neuer Messstellen, eine Überprüfung und die daraus resultierende Anpassung der AVDüV nicht erst in 4 Jahren, sondern bereits in 1-2 Jahren erfolgen
  • Es fehlt in der Ausarbeitung der AVDüV, ob durch die alleinige Umsetzung derselben, die Umweltziele der EG WRRL zu erreichen sind.

2)  Die Auswirkungen, der durch die AVDüV beschlossenen Vorgaben und Maßnahmen, sind wissenschaftlich zu begleiten. Daraus ergeben sich folgende Fragen:

  • Wer begleitet in den kommenden Jahren die Auswirkungen der AVDüV wissenschaftlich und prüft die Sinnhaftigkeit bzw. den Erfolg oder Misserfolg der aktuell geplanten Maßnahmen?
  • Was passiert, wenn sich trotz der neuen AVDüV die Nitrat- und Phosphatbelastungen kurzfristig (sprich innerhalb weniger Jahre) nicht verbessern? Aufgrund der langen Zeiträume, die vor allem Veränderungen der Nitratwerte im Grundwasser benötigen, sind diese auch realistischerweise nicht zu erwarten.  Werden dann – trotz des Wissens um die benötigten langen Veränderungszeiträume – die nächsten Verschärfungen für die Landwirtschaft beschlossen (analog dem kurzen Zeitraum zwischen den Verschärfungen der DüV`s)?
  • Obwohl durch die Vorgaben der DüV bzw. AVDüV deutliche Reduzierungen der landwirtschaftlichen Einträge von Nitrat und Phosphat in die Gewässer zu erwarten sind, werden diese durch gleichbleibende oder sogar steigende Einträge aus anderen Quellen teilweise verwässert bzw. aufgehoben. Wie wird der Einfluss der anderen Quellen bei der erneuten Überprüfung in 4 Jahren berücksichtigt, damit die alleinige Schuld nicht bei der Landwirtschaft verbleibt?

3)  Es ist eine Feststellung notwendig, dass die Landwirtschaft nicht der alleinige Verursacher von Nitratanteilen im Grundwasser und Phosphatanteilen in Oberflächengewässern ist. Zudem ergeben sich folgende Anmerkungen und Feststellungen:

  • Welchen Beitrag müssen die anderen Beteiligten leisten, die Nitrat- und Phosphateinträge ins Grund- bzw. Oberflächenwasser verursachen?
  • Wie soll in Punkto Phosphat, vor allem bei sehr geringem Anteil der Belastung durch die Landwirtschaft (teils nur 20% Anteil an Belastung) 100%ige Verbesserung des Oberflächenwassers bewirkt werden?
  • Eine Verbesserung des Grundwassers (bzgl. Nitrat) benötigt einen Zeitraum von mindestens 20-40 Jahren. Auch eine Verbesserung der Oberflächengewässer bzgl. Phosphat ist nicht innerhalb kurzer Zeit zu erwarten. Welche Werte sind hier überhaupt realistischerweise bis 2024 bezüglich Nitrat und Phosphat zu erwarten?

4) Um eine verursachergerechte Binnendifferenzierung zu erreichen, müssen alle Messungen, Berechnungen und Modelle möglichst kleinräumig erfolgen. Unter anderem ergeben sich folgende Anmerkungen und Forderungen:

  • Die Offenlegung der kompletten Modellierung/Berechnungen, inkl. der zugrunde gelegten Daten (z. B. Viehdichten, N-Salden…) bzw. in wie weit die Daten regionalisiert wurden, um eine verursachergerechte Binnendifferenzierung zu erhalten sowie eine Plausibilisierung der Daten zu ermöglichen.
  • Einzelbetriebliche Ausnahmen für bereits vorbildlich wirtschaftende Betriebe müssen möglich sein.

5) Vertragsverletzungsverfahren der EU betrifft nur die Nitratkulisse. Warum wurde ohne triftigen Grund zusätzliche eine Phosphatkulisse mit entsprechenden Auflagen erstellt?

B Lösung:

C Alternativen:

Wurden überhaupt Alternativen geprüft und wenn ja welche und mit welchem Ergebnis? Pauschale Feststellung, dass es keine Alternativen gibt, entspricht nicht der Realität. Es gibt immer Alternativen!

D Kosten und Nutzen:

1) Allgemein ist die Berechnung der zugrunde gelegten zusätzlichen Kosten offenzulegen. Viele Kostenpositionen sich aus Sicht des LSV nur unzureichend oder überhaupt nicht berücksichtigt, u. a.:

  • Hoher Kosten/Zeitaufwand für die schlagbezogene 170kg N/ha Regelung (vor allem in kleinstrukturierten Regionen)
  • Zusätzliche Kosten für Beratung, da von Landwirt alleine kaum noch zu verstehen und vom AELF nicht mehr ausreichend geleistet.
  • Zusätzliche Kosten für neue Ausbringtechnik (z. B. Ausbringung in Stehendem Mais notwendig bzw. höhere Schlagkraft erforderlich, da Ausbringungszeitraum drastisch verkürzt).
  • Zusätzliche Kosten für Anstieg der Bodenerosion, wenn sich Mulchsaat (auf Grund fehlender Düngung in den Roten Gebieten) nur noch unzureichend entwickelt und damit keinen ausreichenden Erosionsschutz mehr bietet.
  • Zusätzliche Kosten für neue Sätechnik (Mulchsaat bei Kleinsämereinen, wie Gemüsebau, bisher kaum verbreitet)
  • Zusätzliche Kosten für Landwirte, aber auch der Gesellschaft durch Humusabbau der Flächen, was bei reduzierter Düngung (insbesondere Wirtschaftsdünger und Düngung der Zwischenfrüchte) zu erwarten ist. Durch den Humusabbau ergibt sich auch eine Verschlechterung der CO2-Bilanz, was den Klimazielen widerspricht.
  • Entwertung der Flächen…
  • Zusätzlich Kosten für die Verwendung bestimmter Programme, da es teils keine Akzeptanz von in den Betrieben bereits vorhanden, digital geführten Ackerschlagkarteien gibt.
  • Wo bleibt die Berücksichtigung der massiven Wettbewerbsverzerrung zwischen den Grünen bzw. Nichtgrünen Gebieten?
  • Wo wird der sogenannte Bürokratieabbau berücksichtigt? Die AVDüV ist für die Landwirte mit einem enormen bürokratischen Aufwand verbunden.
  • Kosten für die Ertragsreduzierung durch verminderte Düngung
  • Kosten für erhöhten Flächenbedarf zur Gülleausbringung bzw. Bestandsreduktion bei Tierhaltern und Biogasbetrieben in roten Gebieten.

2)  Anmerkungen zur Roten Gebietskulisse

  • Verpflichtende Zwischenfrucht Ansaat im September ist zu spät, da je nach Witterung nur mehr geringer Aufwuchs und Wurzelbildung erfolgt und somit wenig Erfolg bringt (Stickstoffbindung, Errosionsschutz). Änderung auf Vorfruchträumung vor dem 01. September statt bisher 1. Oktober (alternativ 10. Oder 15. September) oder Bezug auf Vorfrucht (Getreide, Öl und Eiweißfrüchte).
  • Begrünung sollte ab 15.11. (nicht erst ab 15.01 wie in der aktuellen Fassung) eingearbeitet werden dürfen. Als Vergleich sollten Verträge von Wasserversorgern mit Landwirten in Wasserschutzgebieten herangezogen werden (Beispiel: Wasserschutzgebiet Stadt Straubing), die dies erlauben, da der Aufwuchs bis dahin den Stickstoff im Boden gebunden hat und auch nach der Einarbeitung diesen ausreichend bis ins Frühjahr speichert. Dies ist nachweislich erfolgreich seit etwa 30 Jahren im o. g. Gebiet.
  • Unschlüssig sind auch die unterschiedlichen Festlegungen von benachbarten Einzelflächen, nach den bisher vorliegenden Excel-Tabellen.

3)  Anmerkungen zur gelben Gebietskulisse

  • Verpflichtende Zwischenfrüchte erschweren zusätzlich mechanische Unkraut- und Schädlingsbekämpfung (z.B. Wurzelunkräuter oder Drahtwurm), wodurch sich wiederum der erforderliche Pflanzenschutzeinsatz erhöht.
  • „Eutrophierte (gelbe) Gebiete“ sind großflächig ausgewiesen, unabhängig davon, ob die jeweiligen Flächen überhaupt einen Anschluss an Oberflächengewässer haben bzw. im Einzugsgebiet des belasteten Oberflächengewässers liegen. Wie sollen die zahlreichen Flächen, die aktuell in der Gelben Kulisse vorhanden sind, aber keinen Anschluss an die belasteten Oberflächengewässer haben, zur Reduktion des Phosphats derselbigen beitragen?
  • Datengrundlagen der Einstufung, wie Messergebnisse der belasteten Gewässer bzw. auch eine amtliche Gewässerkarte der relevanten Gewässer fehlen, wie auch schon bei der Festlegung der Gewässerrandstreifen aufgrund des Bienen-Volksbegehrens.
  • Weiter fehlt auch das Verursacherprinzip. Einleitende Kläranlagen in diesen Bereichen und deren Werte sind nicht veröffentlicht bzw. auch nicht die entsprechend Protokolle in denen dokumentiert ist, wie und wann Proben gezogen wurden/werden?
  • Die Gewässerkulisse der eutrophierten (gelben) Gebiete sollten mit der Oberflächengewässerkarte vom Bienen-Volksbegehren gleich sein.

4)  Laut den vorliegenden Unterlagen sind Kosten für Verbraucher/Unternehmen bzw. Auswirkungen auf Einzelpreise nicht zu erwarten. Man geht also davon aus, dass die Kosten der AVDüV von der Landwirten alleine getragen werden. Diese Kosten treffen aber nicht die gesamte Landwirtschaft, sondern nur die in den Roten Gebieten. Da die betroffenen Landwirte alleine auf den Kosten sitzen bleiben, wird dies zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung in den Roten Gebieten führen, mit allen bekannten negativen Konsequenzen (z. B. Betriebsaufgaben vor allem der kleinbäuerlichen Betriebe).

§ 1

Mit Nitrat belastete 

Laut Unterlagen erfolgt die Umsetzung und Finanzierung des Erfüllungsaufwands der Verwaltung im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel bzw. bleiben künftigen Haushaltsverhandlungen vorbehalten. Dazu ist anzumerken:

1)  Sofern nicht ausreichend Geld zur Umsetzung vorhanden ist, werden die entsprechenden Gebiete ROT!  Die Landwirtschaft wäre somit, obwohl nicht der Verursacher, der Leidtragende.

2)  Das benötigte Geld darf der Landwirtschaft, neben den sowieso bereits aus den Maßnahmen der AVDüV zu tragenden Kosten, nicht noch zusätzlich aus der Förderungssäule oder den Töpfen der AELF`s entzogen werden. Es darf auch keine sonstige Herausnahme aus dem Landwirtschaftshaushalt erfolgen.

§ 2

Eutrophierte Gebiete

1)  Abs.2 Nr.1a: Der Bezugspunkt zum Messen des Gewässerabstands fehlt. Aus Vereinfachungsgründen sollte der Gewässerabstand analog dem Artenschutzvolksbegehren festgelegt werden.

2)  Die Düngung bei Zweitfrüchten mit Futternutzung muss neben der Verwertung über Tiermägen auch für die Verwertung in Biogasanlagen freigegeben werden. Für eine Nährstoffverlagerung spielt die Verwertung des abgefahrenen Aufwuchses keine Rolle. Somit ist dies fachlich nicht zu begründen.

§ 3

Abweichende Anforderungen

Eine reduzierte Düngung (insbesondere mit Wirtschaftsdünger) und vor allem das Düngeverbot für Zwischenfrüchte widersprechen dem Ziel des Humusaufbaus zur CO2-Bindung und somit dem Klimaschutz.

Um die Landwirte bei der Umsetzung der AVDÜV zu unterstützen und Entscheidungsgrundlagen zu liefern, müssen Versuche der Landesanstalt für Landwirtschaft so angepasst werden, dass sie den zukünftigen Vorgaben in den roten Gebieten entsprechen. Das heißt, die Versuche müssen auf langjährig unterdüngten Flächen angelegt werden, wie sie auch der zukünftigen Praxis in den roten Gebieten entsprechen, und nicht wie bisher, auf in den Vorjahren optimal gedüngten Flächen. Die zur Zeit erzielten Ergebnisse entsprechen nicht der Realität.

§ 4

Ordnungswidrigkeiten

Aufgrund des Umfangs der DüV- bzw. AVDüV-Vorschriften, sowie der komplexen Materie und der fehlenden Validierung der Messstellen, sollte den Landwirten bei erstmaligen Verstößen nur eine Verwarnung ohne Sanktion auferlegt werden.



Begründung


 B. Zwingende Notwendigkeit einer normativen Regelung

C. Zu den einzelnen Vorschriften:

Der Verein Landwirtschaft verbindet Bayern e.V. bedankt sich im Voraus für die Bearbeitung und Berücksichtigung der Stellungnahme zur AVDüV.

Mit freundlichen Grüßen

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Rainer Seidl, 1.Vorstand

📈Neuigkeiten Zusammenfassung, Wochenrückblick KW 49-50📝

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

In den letzten Tagen ist so einiges geschehen:

Aufgrund anhaltender Niedrigpreisen und Ramschwerbung durch die Lebensmittelkonzerne setzten sich in Niedersachsen (Cloppenburg) viele Landwirte in ihre Traktoren und blockierten ein Zentrallager von Lidl. Ungefähr 2 Tage lang blockierten diese die Einfahrt des Lagers.

Lidl bietet daraufhin in einem Schreiben 50Mio für die ITW (Initiative Tierwohl) und Verhandlungen für eine fairere Landwirtschaft.

LSV-Bayern, die Cloppenburger Bauern und auch der DBV fordern wirksame Lösungen die bei allen ankommt und nicht ein Schweigegeld das sich gut in den Medien verkaufen lässt.

Donnerstag Abend stehen viele Traktoren vor vielen Edeka Zentrallagern in Bayern.

Zusage von Edeka an Verhandlungen teilzunehmen.

Samstag morgen waren vor einigen Supermärkten Rundballen (Stroh/Siloballen) mit grünen Kreuzen postiert worden. Mit Texten wie „Wir lieben Lebensmittel, ihr verramscht Sie“ und einige weitere persönliche Schriftstücke wurden angebracht an den Ballen.

Lichterfahrten am Samstag/Sonntag in Franken (und Norddeutschland) mit wunderbar geschmückten Trakoren verzauberten die teilnehmenden Menschen!

Sonntag Abend blockieren Landwirte nahezu alle Zentrallager von Aldi in Bayern.

Aldi Süd gibt eine Zusage zu einem Gespräch am Montag Nachmittag, mit dem LSV Bayern und Landwirten die am Zentrallager Helmstadt anwesend waren. Dort wiederum wird der Freitag als Gesprächstermin zwischen allen 4 großen LEHs, LSV und Vertretern der Cloppenburger Bauern festgelegt.

Dienstag, Bauern im Norden blockieren noch einmal die Zentrallager von Aldi Nord um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen!

Das Gespräch am Freitag findet nur zwischem Handel und Bauern statt, kein Vertreter der Politik ist hierbei dabei.

Politik und BV kommen erst dann hinzu wenn man mit dem Handel sich auf klare Punkte geeinigt hat.

Am Freitag den 11.12.2020 treffen sich um 11 Uhr der LSV, Vertreter der Cloppenburger Bauern und die 4 großen LEHs (Lidl, Aldi, Edeka, Rewe) zu einem Gespräch über die Zukunft der Landwirtschaft.

Die Zukunft beginnt jetzt 🌿✅

Euer LSV-Bayern