Selbstversorgungsüberschreitungstag

Es gibt viele besondere und auch kuriose Tage wie z.B. den internationalen Anti-Diät Tag (6.Mai) oder den Weltknotentag (18.September). Doch gibt es vor allem Tage, die sollte man sich schon fast Rot im Kalender anstreichen, denn sie haben eine hohe Aussagekraft in der heutigen Zeit. Bei ihnen geht es um die Selbstversorgung im eigenen Land!

Dass es überhaupt einen solchen Tag gibt, die per Saldo nachweisen, dass wir Landwirte bis zum Jahresende rechnerisch nicht mehr in der Lage sind die Bevölkerung zu ernähren, sollte zum Nachdenken anregen.
In der Veröffentlichung des Bauernverbands aus Schleswig-Holstein werden die verschiedenen Selbstversorgungsüberschreitungstage für die verschiedenen Produkte der Landwirtschaft terminiert. (Ausgehend vom Jahresbeginn 01. Januar)

  • Bei Milch ist die Versorgung bis 31.12. gesichert.
  • Obst reicht bis 20. Februar
  • bei Gemüse z. B. ist am 6. Mai das heimische Regal leer
  • Eier sind bis zum 18. September noch vorhanden usw.

In Deutschland stehen etwa 16,5 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung. Der Verbrauch an Nahrungsmitteln im Land bedürfte aber eine Fläche von ungefähr 19 Mio. ha. Da wir uns rechnerisch eigentlich nur noch zu etwa 87% selbst versorgen können.
(Quelle)

Das sind Fakten, die vermuten lassen, dass die Bauern am Markt in einer komfortablen Situation sein müssten. Durch den Mangel an allen Ecken sollte man den Bauern eigentlich ihre regionalen Produkte aus den Händen reißen. Aber weit gefehlt. Die vorhandenen Angebotsmengen, die uns zum Teil knapp überversorgen, werden den Bauern als Überschüsse, wo auch immer diese auch herkommen, wieder unter die Nase gehalten und drücken den Preis.
Aber auch in Segmenten, in denen der Selbstversorgungsgrad lange nicht gedeckt ist, sind die Bauern mit ihren Produkten der Marktmacht ihrer Abnehmer und dem Weltmarktpreis unterworfen und es gibt nur selten kostendeckende Preise.

Macht es also Sinn nach immer mehr Freihandel für landwirtschaftliche Produkte zu rufen? Sind nicht etwa auch Gedanken und Maßnahmen angebracht, um die vorhandenen landwirtschaftlichen Ressourcen in regionale Märkte zu leiten, damit die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, nach unseren Standards erzeugten Lebensmitteln sichergestellt wird? Wäre es nicht besser politische Kraft in einen regionalen Kreislauf zu investieren, der dann frei von Weltmarktkrisen ist und das wichtigste im Leben sicherstellt, die Nahrungsmittelversorgung?

Fakt ist, je weiter die Nahrungsmittelproduktion aus Deutschland entfernt wird, desto mehr muss importiert werden. Darunter leidet die ganze Welt in Form von Ausbeutung, Hunger und Naturzerstörung durch mehr Flächenbedarf.


Fakt ist auch, das eigentlich z.B. an Weihnachten theoretisch der Teller leer bleibt. Das sollte jedem Menschen in Deutschland gerade in der schwierigen Pandemie Zeit zu denken geben, da es nicht selbstverständlich ist, dass es für jeden Menschen etwas zu essen gibt. Nicht jeder kann sich Nahrung leisten. Da wir hier aber ein reiches Land sind, können wir uns mit Lebensmittel auch aus ärmeren Ländern leicht eindecken. Kartoffeln aus Ägypten, Heidelbeeren aus Peru, Himbeeren aus Marokko, Rindfleisch aus Argentinien und auch Äpfel aus Südafrika sind nur einige Beispiele.


Weltweit liegt der Weizenertrag durchschnittlich bei etwa 3,5 Tonnen je Hektar (10.000 m²)(Quelle), in Deutschland liegt er bei etwa 7,5 Tonnen/Hektar (Quelle), in einigen Gunstlagen wie Süddeutschland gar bei etwa 9to/ha oder mehr. Somit ist jeder Quadratmeter sehr wertvoll, wenn man bedenkt, dass jede Fläche die hier nicht mehr genutzt werden kann, auf der anderen Seite die doppelte Flächengröße in einem anderen Land benötigt um den Verlust auszugleichen! Ganz oft wird diese einfach Rechnung vergessen. Ganz nach dem Spruch „aus den Augen, aus dem Sinn“. Eine einfache Vergrößerung und Verlagerung der Probleme dorthin, wo man sie nicht mehr sehen kann!

Ernährungssouveränität sollte Staatsziel sein.

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