Weshalb Landwirte vor den Zentrallagern des LEH stehen

Ein Bild das öfter durch die Nachrichten ging in letzter Zeit, Traktoren vor einer Zentrallagerzufahrt…

Es gibt 4 große Lebensmittelhändler:

Aldi, Lidl, Edeka und Rewe.

Gemeinsam vereinen sie mittlerweile ungefähr 85% des Marktanteils für Lebensmittel in Deutschland 2020.
Dem ganzen stehen in 2020 noch etwa 260.000 Landwirte gegenüber, die Ihre Milch, ihr Fleisch, ihr Gemüse, Obst und andere Waren indirekt über Verarbeiter oder auch direkt an die Supermärkte liefern.
Ein großes Ungleichgewicht, vor allem wenn man weiß, wie groß die Angst der einzelnen Betriebe unter anderem im nachgelagerten Bereich (Molkereien, Schlachthöfe etc.) ist von den jeweiligen Einzelhändlern ausgelistet zu werden, sollte man sich nicht „einig“ werden, beim Preis der zu verkaufenden Ware.

Doch anders als in der Industrie, in der Dienstleistung oder im Handwerk schreibt der Landwirt keine Rechnung, bekommt keine Lohnerhöhung oder Inflationsausgleich. Er bekommt nur das, was der Verarbeiter ihm im Preiskampf mit dem LEH noch gerade so zahlen kann!
Jegliche Mehrkosten die der Landwirt zu tragen hat, jede Auflage die seine Produktion verteuert, jedes Futtermittel, jede Maschine oder Reparatur die von Jahr zu Jahr mehr Kosten verursacht, belasten belasten jeden einzelnen Landwirt, der an dieser Stelle von seinen Ersparnissen (Substanz) lebt. Seit 40 Jahren herrschen schon etwa die gleichen Preise für Milch, Fleisch, Eier und Co.!

Auch eine Produktion unterhalb des Selbstversorgungsgrades eines Produktes bedeutet keineswegs einen besseren Preis.

Das Angebot von Eier (ca. 75%), Gemüse (ca. 45%) und Obst (ca. 30%) liegt zum Beispiel weit unter dem der Nachfrage, somit müsste damit deutlich mehr Gewinn in diesen Bereichen gemacht werden können. Leider ist das nicht der Fall, denn die fehlenden Produkte werden einfach aus anderen Ländern importiert, welche oft weit unter den hohen deutschen Produktionsstandards hergestellt werden und somit viel günstiger zu erwerben sind.

Die Landwirtschaft konnte das bisher durch modernere Produktionsmethoden, besserer Züchtung, mehr Technik und vor allem durch mehr Arbeitsstunden teilweise ausgleichen. Doch mittlerweile fährt die Deutsche Landwirtschaft seit Jahrzehnten auf Verschleiß, jedes Jahr neue Auflagen und höhere Kosten für den Einzelnen, bringen die bäuerlichen Familien an den Rand der Verzweiflung oder in den Ruin.

650.000 Landwirte gab es noch 1990, 30 Jahre später sind nur noch etwa 260.000 davon übrig, also 60% weniger.

Allein zwischen 2005-2018 gaben etwa 40% der Milchviehbetriebe und ca. 75% der Schweinehalter auf!

Zitat diverser Parteien: „wir wollen familienBetriebe erhalten“

Die Deutsche Landwirtschaft hängt am seidenen Faden, ein Strukturbruch droht und es ist vielen Menschen überhaupt nicht bewusst, wie es sich auf Deutschland auswirkt, welche Konsequenzen es auch für andere Länder hat und wie gefährlich die derzeitige Situation tatsächlich ist.

Aus dieser Not heraus sind die Landwirte aufgestanden, haben sich organisiert und zusammengeschlossen und vor über einem Jahr den LSV gegründet. Viele Aktionen, Demonstrationen mit Schleppern, Zeit und Engagement wurde investiert. Politiker wurden angesprochen wo auch immer sie auch anzutreffen waren, ihnen wurden E-Mails geschickt, viele Leser- und Brandbriefe wurden verfasst um auf die Situation der Bauern aufmerksam zu machen.

Die Politik tat aber wie immer Wenig bis Garnichts, um die Lage der Landwirte und ihrer Familien zu verbessern. Im Gegenteil, es wurden neue Verordnungen verfasst, neue Auflagen erlassen, ohne einmal die Grundlegenden Probleme der Landwirte zu lösen, die bereits seit Jahrzehnten bestehen.

Während des Corona Ausbruches sprach man der Landwirtschaft noch eine Systemrelevanz zu, die sich über den Handel mit höheren Preisen zeigte, jedoch beim Landwirt wie so oft nichts ankam.

Die Bauern sollten die Produktion in ihrem vollen Umfang aufrechterhalten hieß es.

Dafür wurde er dann ein paar Monate später, als es zu einem Schlachtstau bei den Schweinen durch Corona kam, mit einem sehr schlechten Preis abgegolten und die Landwirte als nicht vorausschauende Produzenten beschimpft.
Das brachte viele der verzweifelten Menschen dazu, Anfang Dezember mehrere Zentrallager der bekannten Big 4 (Edeka, Lidl, Aldi und Rewe) zu blockieren, um kurzfristig eine schnelle Lösung für die gebeutelten Bauern zu schaffen und den Druck auf die Politik zu erhöhen!
Sie demonstrierten für einen langfristig grundlegenden Systemwechsel, hin zu einer Fairen Bezahlung für hochwertige Produkte mit hohen Standards, bei der die Produktionskosten auch gedeckt sein sollen!



Es kam Mitte Dezember dann zu einem Austausch direkt zwischen den Landwirten und dem Handel, eine der wirklich seltenste Konstellationen die man sich so vorstellen kann.
Es wurden einige Punkte besprochen die den Landwirten unter den Fingern brennen und am Herzen liegen.

Einige dieser Forderungen klingen logisch, wie z.B.

  • Deutliche Kennzeichnung der Herkunft aller Inhaltstoffe, wenn über 80% der Inhaltstoffe aus Deutschland kommen soll eine deutliche Kennzeichnung darauf abgebildet werden
  • Wenn ausländische Waren hier verkauft werden, sollen diese nach unseren Produktionsstandards und Auflagen produziert werden, alles andere wäre ein Marktungleichgewicht und unfair gegenüber dem Verbraucher dem sonst minderwertige Ware untergejubelt wird
  • Anhebung der Erzeugerpreise sofort und dauerhaft um 30% um die schlechte Situation der Landwirte schnell zu beheben. Preise sollen eigentlich vom Landwirt gemacht werden und nicht mehr vom Händler. Jeder Hersteller weiß, wie das funktioniert.
  • Kennzeichnung wieviel am Produkt der Landwirt überhaupt anteilsmäßig verdient.

Anhand der Forderungen ist erkennbar, dass sich Grundlegend etwas ändert.

Bei den Bauern ist ein neues Bewusstsein entstanden und die bäuerlichen Familien sind es sich wert für Ihre Belange so lange einzustehen, bis ihnen endlich ein lebenswerter Preis für ihre Produkte bezahlt wird.

Wir werden uns weiter für unsere Belange einsetzen bis das Ziel: von unserer Arbeit leben zu können im Einklang mit Tier und Natur erreicht ist.

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