Offener Brief zur Klausurtagung CSU 14.-15.07.2021

Sehr geehrte Damen und Herren,
am 06.01.2020 fand im Kloster Seeon die letzte Klausurtagung in Präsenz statt.
Über 1500 Traktoren und weit über 3000 Landwirte und Landwirtinnen sowie zahlreiche Bürger, begrüßten die CSU Vertreter an einem der schönsten Fleckchen unserer Kulturlandschaft.
Damals trieb der Referentenentwurf der neuen Düngeverordnung die Menschen auf die Straße. Angst und fehlende Planungssicherheit verbreitete sich unter dem Berufsstand.
Wie wird es wohl weitergehen? Können wir noch kostendeckend wirtschaften? Gibt es Zukunftsperspektiven für unsere bäuerliche Landwirtschaft? Wie sollen wir uns am Weltmarkt behaupten können, wenn die Standards und Produktionskosten der einzelnen Länder weit unter den hiesigen sind? Steht die Politik noch zu unserer heimischen Landwirtschaft?

Stiller Protest in Seeon

Die warmen Worte der politischen CSU Vertreter machten den Menschen Hoffnung:

„Wir wollen das die Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft steht“
Alexander Dobrinth

„Wir wollen praktikable Lösungen für kleinere Betriebe und dafür wollen wir kämpfen“
Arthur Auernhammer

„Die Bundesumweltministerin kommt mir viel zu billig weg“
Marlene Mortler

„Wir müssen nüchtern, sachlich und wissenschaftlich fundiert die Dinge nach vorne bringen“
Christian Schmidt

„Wir werden uns in eurem Sinne einsetzen, dafür habt ihr mein Wort“
Anja Weisgerber

„Ich will dass die Lebensmittel die bei uns gegessen werden auch bei uns produziert werden“
Ministerpräsident Dr. Markus Söder



Doch welches Fazit kann man 1,5 Jahre später ziehen?

Das Höfesterben ist ungebremst und nimmt sogar noch an Fahrt auf. Allein im klein strukturierten Bayern haben wir von 2010 bis 2018 13860 Betriebe verloren. Statt in der Mitte der Gesellschaft stehen die meisten Familienbetriebe mit dem Rücken an der Wand. Massive Anfeindungen aus teils radikalen Tier- und Umweltschutzorganisationen sind täglicher Begleiter der Bauernfamilien.
Eine ideologisch geprägte Verordnung nach der anderen jagt die Nächste. Wissenschaftlich basiertes und praxisnahes Arbeiten ist nicht mehr möglich. Kostendeckende Erzeugerpreise sind in nahezu allen Branchen nicht zu erwirtschaften. Zu politischen Auflagen und Forderungen gesellen sich Forderungen aus dem LEH und der Industrie ohne jeglichen gesicherten finanziellen Ausgleich. Die gesamte EU Agrarpolitik ist nur noch ein Bürokratiemonster und trägt nicht mehr zum Wohle des Volkes bei.
Es gibt nach wie vor keinen Außenschutz für Lebensmittel welche nicht nach unseren Standards hergestellt und verarbeitet werden. Die Marktmacht der Landwirte ist immer noch gleich Null. Sie bleiben auf ihren gestiegenen Kosten sitzen und arbeiten weit unter Mindestlohn um ihre Familienbetriebe aufrecht zu erhalten. Subventionen nach dem Gießkannenprinzip ändern nichts an den massiven Missständen im Ganzen, sondern tragen lediglich dazu bei, die Gesellschaft weiterhin zu spalten.

Ein Banner der stillen Demonstration in Seeon

Der Wolf bedroht unsere Tiere auf den Almen und den Weiden und somit die Pflege unserer so wertvollen Kulturlandschaft. Praxisnahe Lösungen sind nicht zu erwarten.
Gerade in Krisenzeiten wurde die heimische Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft. Doch man hat momentan den Eindruck es wird einfach alles daran gesetzt die Eigenversorgung mit hochwertigen Lebensmitteln so zu verknappen, das man sich von minderwertigen Importen abhängig machen muss. Der ökologische Fußabdruck ist hierbei noch gar nicht einberechnet.

Wir als Gesellschaft müssen wissen was wir wollen.
Wollen wir eine produzierende Landwirtschaft welche unsere Lebensmittel sicher und kontrolliert herstellt und zudem aktiven Umweltschutz und Artenvielfalt betreibt?
Oder wollen wir unsere Lebensmittelversorgung von ausländischen Importen abhängig machen, welche Großteils weit unter unseren Standards produziert werden, deren Umweltschutz und Arbeitsbedingungen keinerlei Kontrolle unterliegen?
Diese Fragen sollten sie sich als politische Entscheidungsträger stellen und an ihren Taten und Worten müssen sie sich messen lassen. Für die Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte war Maßgeblich die CSU/CDU verantwortlich, von den letzten 38 Amtsjahren betrug der Anteil der CSU 23 Jahre und die der CDU 8 Jahre, auf die Grünen entfielen 4 Jahre und auf die SPD 3 Jahre. Allein in den letzten 16 Jahren CDU/CSU Landwirtschaftsminister/in haben 80000 Betriebe aufgehört!
Leider haben wir keine Hoffnung mehr das unsere Sorgen und Probleme ernst genommen werden! Uns ist klar geworden, dass unsere heimische, bäuerliche Landwirtschaft ein bewusst initiiertes Auslaufmodell der regierenden Parteien ist! – zum Wohle der Industrie.

Stirbt der Bauer stirbt das Land….

Mit freundlichen Grüßen LSV Bayern e.V.

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