Offener Brief an die Umweltministerin

Offener Brief an die Umweltministerin Svenja Schulze



Sehr geehrte Frau Ministerin Schulze,

Ich bin empört darüber, wie Sie sich mit toten Bienen profilieren und dabei den Bauern vorwerfen, ein Bienensterben zu verursachen! Gerade als Umweltministerin sollten Sie wissen, dass alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel überprüft werden, ob sie für Bienen giftig sind. Gefährdet ein Mittel die Bienen, darf dieses, sobald sich auch nur eine blühende Pflanze auf einer Fläche befindet, nicht mehr eingesetzt werden. (egal ob Kulturpflanze oder Beikraut).

Die Zulassung eines neuen Pflanzenschutzmittels kostet
heutzutage etwa 300 Millionen Dollar.

https://www.praxis-agrar.de/pflanze/pflanzenbau/zulassungsverfahren-fuer-pflanzenschutzmittel/

Bisher ist mir nur ein Problem bekannt, das nachweislich zu toten Bienen durch den Einsatz von insektiziden Beizen geführt hat. Die Ursache war aber technisch begründet, weil einige Einzelkorndrillen das Saatkorn ansaugen und dabei Beize in die Luft blasen. Seit diesem Vorfall müssen auch Drillmaschinen zugelassen sein!
Wenn ich mir die Erträge unserer Obstbäume im letzten Jahr anschaue, kann ich einen Mangel an Bienen ausschließen. Sie saßen brechend voll! Die Kirschen waren kaum zu genießen, weil sie voller Fruchtfliegenmaden saßen und fast jeder dritte Apfel war nicht mehr zu verkaufen, weil ein Insekt darin groß geworden war! Außerdem wurden fast sämtliche Fichten in unserem Wald durch den Borkenkäfer dahingerafft. Unsere Grünlandflächen werden regelmäßig von Wildschweinen umgebrochen, weil diese die Maden der Wiesenschnake als hochwertige Eiweißquelle schätzen. Wenn Ihr Aktionsprogramm Insektenschutz umgesetzt wird, werden große Gebiete kaum noch sinnvoll von Landwirten genutzt werden können! Wissen Sie eigentlich, wases für die Landwirte und die ihnen anvertrauten Tiere bedeutet, wenn die Vorgaben aus dem Aktionsprogramm Insektenschutz umgesetzt werden müssen? – Wohl kaum! – Eine Milchkuh mit einem Insektenschutz-Spätschnitt-Aufwuchs zu füttern ist Tierquälerei und führt zu lebensbedrohlichen Stoffwechselkomplikationen! Was sollen wir machen, wenn sich giftige Kräuter wie Jakobskreuzkraut, Ambrosia oder Sumpfschachtelhalm auf den Flächen etablieren und keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen? Die Tiere mit giftigen Pflanzen füttern oder hungern lassen?

Beikräuter auf einer Mauer

In Deutschland gilt es kaum eine Grünlandfläche, die sich von alleine gebildet hat, oder die ohne die Pflege und Nutzung durch die Bauern erhalten bleibt. Wenn wir auf den Flächen kein wiederkäuergerechtes Futter mehr erzeugen können, werden wir Bauern diese Flächen auch nicht mehr pflegen und erhalten. Dann können beamtete Naturschützer diese Arbeit machen. Wie viel das dann kostet, können Sie sich ja einmal ausrechnen. Erfahrungen hierzu haben Sie ja schon beim Erhalt der Heidelandschaften machen können. Seit Jahrtausenden erzeugen wir Bauern auf unseren Flächen die Nahrungsmittel, die der Verbraucher essen möchte. Da sich keiner mehr von Hirse- oder Haferbrei ernährt, bauen wir Weizen und Kartoffeln an. Auf den Grünlandflächen erzeugen wir Milch und hochwertiges Fleisch. Die logische Konsequenz aus Ihrem Insektenschutz Programm wäre, dass Typhulalaven und Grashüpfer auf die Speisekarte gesetzt werden! Oder wollen Sie lieber, im Namen des Naturschutzes, zusätzliche Mengen an Rindfleisch aus Argentinien importieren?

Ich gehe davon aus, dass Sie, bei Ihrer Liebe zur Natur, wenigstens einen kleinen Garten bewirtschaften, in dem Sie Gemüse für den eigenen Haushalt anbauen. Wenn Sie von den Landwirten verlangen, dass diese den technischen Fortschritt der letzten 100 Jahre nicht nutzen, dann können wir das ja wohl auch von Ihnen verlangen! Bauen Sie doch einfach ein schönes nostalgisches Plumsklo! Sie werden staunen, wie viele Insekten plötzlich ihren Garten hoch attraktiv finden. Wenn Sie dann Ihre Fäkalien zum Düngen Ihrer Früchte einsetzen, haben Sie eine moderne Kreislaufwirtschaft. Diese ist in der Landwirtschaft seit jahrtausenden gängige Praxis. Gleichzeitig tun Sie etwas gegen die Nitratbelastung der Flüsse! Denn ein Großteil der Nitrate aus unserer Kanalisation werden von den Klärwerken legal in die Flüsse eingeleitet! Außerdem brauchen keine Illegale Einwanderer in Spaniens Gemüsehochburgen, für Sie unter skandalösen Arbeitsbedingungen schuften. Sicher freuen Sie sich auch über jeden Kohlweißling, der seine Eier in Ihrem Garten ablegt. Es muss für Sie doch ein riesiges Erfolgserlebnis sein, wenn Sie den kleinen Raupen beim Fressen zusehen können! Selbstverständlich essen Sie den Kohl nicht, wenn er üblicherweise verzehrt wird. Den Raupen zu liebe warten Sie mit dem Essen, bis der Kohl Samen ausgebildet hat. Dann können Sie sogar nachvollziehen, wie sich unsere Kühe fühlen, wenn an diese der Insektenschutz-Gammel-Aufwuchs verfüttert wird!

Gez. ein zorniger Bauer



Anmerkung der Redaktion: Dieser Brief gibt nur die Meinung des Verfassers wieder, nicht unbedingt die der Redaktion. Das Bild und das Zitat wurde von der Redaktion als Zusatzinformation miteingefügt!

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